Harald Maurer hat geschrieben:G.O.Müller schreib: "Nach dem Relativitätsprinzip gibt es nur relative Bewegung, weshalb für jede Bewegung angegeben werden muß, in Bezug worauf sie bestimmt ist. Ruhe ist Null Bewegung; deshalb gilt dasselbe auch für alle Ruhe-Behauptungen. Albert Einstein führt 1905 ein angeblich “ruhendes System” (S. 892, 3. Absatz) ein, ohne zu sagen, in Bezug worauf dieses System ruhen soll: damit widerspricht dieses beziehungs- und bezugslos “ruhende System” seinem eigenen Relativitätsprinzip."
Jocelyne Lopez hat geschrieben:Man kann also nur darüber spekulieren, was Einstein mit dem Wort "ruhend" gemeint hat...
Darüber muss man nicht spekulieren. G.O.Müller versteht offenbar das Relativitätsprinzip nicht. Nach diesem ist gleichförmig lineare Bewegung gleichbedeutend mit Ruhe, weil nicht unterschieden werden kann, ob Bewegung oder Ruhe vorliegt. Wer in einer gleichförmig bewegten Eisenbahn mitfährt, wird feststellen, dass sich diese Bewegung auf den Ablauf physikalischer Prozesse nicht auswirkt. Er kann Ball spielen oder Billiard oder was auch immer, alles wird so sein, als würde die Eisenbahn sich nicht bewegen. Er kann kein physikalisches Experiment durchführen, was ihm den Bewegungszustand verraten könnte und befindet sich deshalb in einem System, das er als "ruhend" definieren kann.
Wenn Wissenschaftler das Relativitätsprinzip verstanden haben, dann gehört G.O. Mueller dazu, gar keine Frage.
Was Du darüber meinst hat darauf keinen Einfluß.
Du bist viel zu viel von der ziemlich missverständlichen Aussage Newtons beeindruckt, es gäbe keinen Unterschied zwischen dem Zustand der Ruhe und dem Zustand der gleichförmigen linearen Bewegung, die eigentlich nur einen anekdotischen Charakter hat:
Es ist lediglich ein rein subjektiver Eindruck durch Sinnestäuschung, wenn ein Beobachter im Zug nicht merkt, ob der Zug fährt oder steht. Das weiß jeder aus Erfahrung, dass es nur eine Täuschung der Sinne ist, vor allem als Kind reagiert man ganz interessiert darauf, das ist etwas ganz Banales. In Wirklichkeit aber fährt oder steht der Zug, ganz unabhängig davon, ob Beobachter es merken können oder nicht. Und es ist sowohl kinematisch als auch dynamisch ein gewaltiger Unterschied, ob ein Zug steht oder fährt, oder?
Nur unter sehr stark eingeschränkten Bedingungen, die wohl nur für Ingenieure (bzw. für die Bequemlichkeit der Passagiere) von Bedeutung sind, kann man bei einer sehr gut gedämpften, ruck- und stoßfreien Fahrt sagen, dass eine perfekte gleichförmige lineare Bewegung einige physikalische Abläufe nicht stört: Man kann Billard spielen, schreiben und lesen, der Kaffee schwappt nicht von der Tasse über, usw... Es sind aber wie gesagt nur sehr eingeschränkte Prozesse, die dabei gleich ablaufen, die
wesentlichen Unterschiedmerkmale der beiden Zustände Ruhe oder Bewegung verschwinden dadurch nicht, zum Beispiel Ortsveränderung oder Energieverbrauch. Auch wenn Dein Kaffee im Zug weder beim Fahren noch beim Halten rüberschwappt wirst Du kaum von Frankfurt nach Berlin gelangen können, wenn der Zug nur ruht, oder?
Es ist also unsinnig, die Aussage Newtons, es gäbe keinen Unterschied zwischen dem Zustand der Ruhe und der linearen, gleichförmigen Bewegung, eine universelle Bedeutung als Naturgesetz beizumessen und dabei sogar den wesentlich Unterschied der Ortsveränderung und der Geschwindigkeit zu leugnen. Wie gesagt, das ist ein Gesetz, das wohl nur für Ingenieure und bei sehr eingeschränkten Bedingungen einer Bedeutung zu verleihen ist, wie viele anderen „Maschinengesetze“.
Harald Maurer hat geschrieben:
Wer sich also als "ruhend" definiert, drückt damit aus, dass er in seinem Bezugssystem ruht und eine logische Folgerung ist, dass es andere Bezugssysteme gibt, dem gegenüber er ruhend oder bewegt ist - und Einstein bringt in seiner Arbeit ja dieses zweite System auch ins Spiel. Die SRT behandelt ja die Beziehung von Inertialsystemen zueinander. Was er als "ruhend" meint, versteht sich also von selbst.
Nein, wenn ich mich als "
ruhend" definiere, definiere ich mich nicht als ruhend zu mir selbst, sondern als ruhend zu einem oder mehreren anderen Objekten als mir selbst. Was würde mir bloß nützen, mich jede Sekunde als ruhend zu mir selbst zu definieren...

Ich würde kaum selbständig überlebensfähig dabei sein. Wenn ich z.B. eine Straße zu überqueren habe, würde es mir kaum was bringen, mich als ruhend zu mir selbst zu definieren, was soll das? Ich habe vielmehr aufzupassen, welche Fremdobjekte zu mir als ruhend oder als bewegt zu definieren sind.
Und nein, wenn Einstein den Begriff „
ruhend“ meint, versteht sich auch nie von selbst: Auch Albert Einstein muss wie alle andere Wissenschaftler bei einer Bewegung oder einem Ruhezustand bitteschön sagen, worauf man ruht oder sich bewegt. Er ist davon nicht befreit. Und wenn er zum Beispiel explizit keinen „
absoluten Raum“ in die SRT einführt, muss er uns bitteschön verraten, worauf sein „
ruhender Raum“ ruht. Solche Begriffschludrigkeit bei einer wissenschatlfichen Arbeit ist nicht zu dulden.
Außerdem gibt es auch eine Menge Konstellationen, wo zwischen zwei zueinander bewegten Objekten
keine der beiden Objekte ruht, sondern
sich beide bewegen, zum Beispiel eine auf dem Strand bewegte Welle und ein auf dem Strand bewegter Beobachter bewegen sich zueinander. Keine der beiden Objekte ruht auf dem gemeinsamen Bezugssystem Strand. Sich dabei selbst als bewegter Beobachter ein anderes Bezugsstem auszusuchen als das gemeinsamen Bezugssystem Strand und sich dabei immer ersatzweise als „
ruhend zu sich selbst“ zu bezeichnen bzw. sich fiktiv ein „
ruhendes KS“ zu überstülpen und sich dabei immer die Geschwindigkeit 0 beizumessen, ist kindisch bzw. grotesk, mit Verlaub.
Fest steht, ein Beobachter kann nicht relativ zum einem einzigen Bezugssystem gleichzeitig ruhen und bewegt sein: Und wenn ich relativ zum Bezugssystem Strand ruhe, dann bewege ich mich nicht zum Bezugsstem Strand. Punkt fertig aus. Aus diesem Dilemma wirst Du mit Deinem omnipotenten „
ruhenden KS um meine Person herum“ nicht rauskommen. Oder willst Du etwa behaupten, es gibt keinen Unterschied in den Naturabläufen und in den Vorhersagen, wenn ich auf dem Strand ruhe oder wenn ich mich auf den Strand bewege (immer zusammen mit meinem ruhenden KS rundherum)? Was für eine Physik willst Du denn betreiben? Auch Esoterik?
Harald Maurer hat geschrieben:
Wenn eine Wespe in einem Abstand von 1 m vor dir in 1 m Höhe und im seitlichen Abstand von 1 m fliegt, dann kannst Du diesen Ort kurz angeben mit x=1m, Y=1m, z=1 m. Mit diesem Verfahren kannst Du jede Bewegung dieser Wespe nachvollziehbar beschreiben, und zwar immer in Bezug zu Dir selbst, weil Dein Koordinatensystem untrennbar zu Dir gehört.
Und wenn ich mich auch selbst relativ zur Wespe im Raum bewege, wären die Ortsangaben etwa die gleiche, als wenn ich ruhen würde? Leugnest Du auch die Konstellation, wo die Wespe sich im Raum bewegt
UND ich mich auch im Raum bewege (zusammen mit meinem ruhenden KS rundherum)? Leugnest Du auch die Konstellation, wo die Welle sich am Stand bewegt
UND ich mich auch am Strand bewege (zusammen mit meinem ruhenden KS rundrum)? Wären dann meine Koordinaten gleich, als wenn ich ruhen würde (immer zusammen mit meinem ruhenden KS rundherum)?
Viele Grüße
Jocelyne Lopez