julian apostata hat geschrieben:Halte man aber die Waage plötzlich an, so werden nicht reale Längenkontraktionen und Phantommassen zu neuen Hebelarmen, die perfekt zu den neuen Massen passen, so dass das Gleichgewicht erhalten bleiben kann.
Aha, nicht reale Längenkontraktionen und Phantommassen verwandeln sich zu neuen Hebelarmen? Zauberei statt Physik? Die Waage wird auch gar nicht angehalten! Sie wird lediglich von einem sich vorbei bewegenden Beobachter betrachtet.
Das Wesentliche bei diesem Paradoxon ist, dass die Kugeln in einem IS
gleichzeitig runterfallen (der Balken bleibt im Gleichgewicht), und dies für einen Beobachter im relativbewegten IS eben lt. SRT
nicht gleichzeitig ist (der Balken müsste sich drehen). Nun kann man mit der relativistischen Massenveränderung zwar dahin gehend argumentieren, dass bis zum Fall der ersten Kugel der Balken im Gleichgewicht bleibt, aber dann fällt eine Kugel eben dennoch früher als die andere und das Gleichgewicht ist dahin! Die RdG lässt sich mit all der Rechnerei nicht aushebeln und das würde auch wenig Sinn machen, weil damit die rel. Effekte zu unwirksamen Phantomen werden. Denn wenn die Beobachter ohnedies letztlich das Gleiche sehen, kann man ja ohnehin die Galileitransformation benutzen. Es wäre daher wohl ratsamer zu sagen, dass das Experiment ohne Gravitation nicht funktioniert und die SRT deshalb gar keine Gültigkeit hat!
Und so ist es auch bei all den Experimenten in Teilchenbeschleunigern. Nichts - weder das Labor noch die Teilchen - bewegt sich bei diesen Experimenten inertial. Alles ist beschleunigt und unterliegt gewaltigen elektrischen und magnetischen Kräften und alle Bewegungen sind daher absolut! Daher sind auch die auftretenden Effekte absolut und beziehen sich auf das Schwerpunktsystem. Die SRT wird daher in Vorgänge hineingesteckt, wo sie von vornherein gar nichts verloren hat. Die Anwendbarkeit des Lorentzfaktors steht dabei gar nicht im Zusammenhang mit der SRT sondern kann sich auch aus anderen Gründen ergeben. Der asymptotische Verlauf eines Beschleunigungsvorgangs (und damit der kinetischen Energie) ergibt sich auch, wenn man z.B. einen Körper mit einem gleichmäßigen Teilchenstrom anstößt und der Körper sich dadurch von diesem Teichenstrom weg bewegt. Das führt sowohl dazu, dass in gleichen Zeiteinheiten immer weniger Teilchen am Körper eintreffen als auch, dass die Relativgeschwindigkeit Teilchen --> Körper immer geringer wird. Die Kraft geht letztlich zu Null, wenn Teilchen und Körper dieselbe Geschwindigkeit haben - und der Körper kann über die Teilchengeschwindigkeit hinaus nicht beschleunigt werden. Auf welche Weise z.B. Elektronen die im elektrischen Feld durch Photonen übertragene Energie transportieren ist ungeklärt. Bekannt aber ist, dass sich Elektronen auch wie Wellen verhalten und sich die DeBroglie-Wellenlänge bei zunehmender Geschwindigkeit immer mehr verkürzt. Ähnlich wie beim Licht steht die Energie daher nicht mit der Geschwindigkeit in Zusammenhang, sondern mit der Frequenz. Hier einfach mit kinetischer Energie über die Geschwindigkeit linear zu rechnen, ist daher sicher falsch, ohne dass die SRT damit bestätigt wäre. Auch die asymptotische Zunahme der Trägheit des beschleunigten Elektrons wäre dann eine falsche Schlussfolgerung!
Die Argumente von Julian Apostata gegen das Waage-Paradoxon sind verfehlt, weil Masse auch in der SRT eine invariante Größe ist und das angenommene Verhalten "relativistischer Masse" dadurch unwirksam gemacht werden könnte, wenn man den Widerstand am Drehpunkt der Waage gerade so hoch hält, dass die Waage nicht auf geringfügige Gewichtsveränderungen reagiert sondern erst kippt, wenn eine der Kugeln zur Gänze fällt und die andere noch am Balken ist. Und dann gäbe es noch das Hintertürl mit der Geschwindigkeit des Impulsübertrags von der jeweiligen Lage einer Kugel zum Drehpunkt der Waage. Auch dieses Argument wird haltlos, wenn man die Geschwindigkeit der Kugeln unter der materialspezifischen Schallgeschwindigkeit ansetzt und dem vorbei bewegten Beobachter eine sehr hohe Geschwindigkeit verleiht.
Die RdG wird stets zur Lösung der allgemein bekannten Paradoxa eingesetzt - ein Paradoxon wird aber unlösbar, wenn man es
mit der RdG erzeugt. Eine Lösung des Waage-Paradoxons müsste daher erklären, wieso der Balken in der Waage bleibt, obwohl die Kugeln für den bewegten Beobachter ungleichzeitig herunterfallen. Das ergibt sich durch die LT, in der LK und ZD bereits enthalten sind! Über die "kondensierte Masse" ist es nicht lösbar, weil es im Moment des ungleichzeitigen Falls der Kugeln völlig gleichgültig ist, welche Masse die Kugeln haben oder hatten! Zum von mir angedeuteten Argument, die Anwesenheit von Gravitation schließe die SRT aus, wäre zu sagen, dass alle "glänzenden Bestätigungen" der SRT mit Experimenten erstellt wurden, in welchen ebenfalls Gravitation und andere Kräfte vorhanden waren!
Und wie wär's mit der Allgemeinen Relativitätstheorie? Kann man mit ihr an das Waage-Paradoxon heran gehen? Wohl kaum, denn die ART ist offenbar genau so falsch wie die SRT - wie man leicht zeigen kann. Lassen wir doch mal ein Karussel in Bezug zur Sonne vier Mal im Minutentakt rotieren. Lt. ART ist es gleichgültig, ob das Karussel rotiert oder die Sonne um das Karussel kreist. Rotiert aber die Sonne um das Karussel, so braucht ihr Licht bis zum Karussel 8 Minuten - und wir müssten sie um das Karussel kreisen sehen, wenn wir das Karussel längst wieder angehalten haben! Oder wir müssten aus der sofort sichtbaren kreisenden Sonne schließen, dass sie ihre Karusselumkreisung 8 Minuten vorher begonnen hat, ehe wir das Karussel überhaupt andrehten!
Alles klar?
Grüße
Harald Maurer