Ernst hat geschrieben:
Michelson waren die theoretischen und praktischen Verhaltensweisen von em Wellen bestens bekannt. Einschließlich der Gesetze der Interferenz. Er hat sogar ein eigenes Interferometerprinzip entwickelt. Für seine Forschungen dazu erhielt er den Nobelpreis.
Und wenn sie nun wider besseres Wissen dieses damals aufwendige Experiment vorgenommen hätten, dann wären sie blöde. Sie waren es aber nicht, weil sie wußten, daß sie mit diesen Grundlagen einen bewegten Äther hätten nachweisen können.
Wenn dem so wäre, hätte Michelson in seiner Arbeit nicht abschließend geschrieben:
"If it were possible to measure with sufficient accuracy the velocity of light without returning the ray to its starting point, the problem of measuring the first power of the relative velocity of the earth with respect to the ether would be solved. This may not be as hopeless as might appear at first sight, since the difficulties are entirely mechanical and may possibly be surmounted in the course of time."
(Wenn es möglich wäre, mit ausreichender Genauigkeit die Lichtgeschwindigkeit ohne Rücksendung des Strahls an seinen Ausgangspunkt zu messen, würde das Problem der Messung der Relativgeschwindigkeit der Erde in erster Ordnung mit Bezug auf den Äther gelöst werden. Dies wäre nicht so hoffnungslos, wie dies auf den ersten Blick auch sein mag, da die Schwierigkeiten rein mechanisch sind und möglicherweise im Laufe der Zeit überwunden werden können.)
D.h., Michelson war auch trotz des Resultates seines Versuchs davon überzeugt, dass es eine Relativgeschwindigkeit der Erde in Bezug zum Äther gibt und dies im Laufe der Zeit gemessen werden kann! Michelson hat daher sein Experiment keinesfalls als Beweis für die Nichtexistenz eines Äthers angesehen. Sein Zweifel war durchaus berechtigt, denn der folgende Ansatz ist falsch:
Ernst hat geschrieben:
An einem Punkt erzeugte Wellen, welche auf zwei Wege aufgesplittet werden, erzeugen bei ihrem gleichwellenlängigen Wiederzusammentreffen an einem gemeinsamen Punkt eine Interferenz, deren Quantität abhängig ist von den unterschiedlichen Laufzeiten beider Wellensplits.
Wenn Michelson seinen Apparat auf eine Situation einstellt, in welcher sich eine gut sichtbare Interferenz ergibt, läuft das Licht schon längst kontinuierlich durch den ganzen Apparat und irgendwelche Laufzeiten spielen keine Rolle. Diese einmal eingestellte Situation kann sich in Folge nicht mehr verändern, weil die auftretenden Doppler-Effekte (vom Sender zum Medium, vom Medium zum Empfänger) die Geschwindigkeit des Apparats in Bezug zum Medium unwirksam machen. Man kennt dies zur Genüge vom Schall. Das Licht verhält sich völlig analog zum Schall, und es sind die klassischen Doppler-Formeln anzuwenden (bewegte Quelle und bewegter Empfänger!):

Daraus ergibt sich, dass sich das im Äther bewegte Interferometer völlig gleich verhält wie ein im Äther ruhendes und das entsteht dadurch, dass der bewegte Sender die Wellen um einen bestimmten Betrag (abhängig von v) in den Äther setzt, der gleichsinnig bewegte Empfänger diese Wellen aber um den gleichen Betrag versetzt wieder aufnimmt und daher den Einfluss von v egalisiert. Der Apparat ruht daher im Medium, obwohl sich dieses relativ bewegt. Das ergibt eine völlige Konstanz der einmal eingestellten Situation auf jeder Teilstrecke des Apparats und keinerlei Unterschied zu einem im Äther ruhenden Zustand.
Da der Betrag von v keine Rolle spielt (die Beträge der Wellen-Versetzung stimmen bei Sender und Empfänger stets überein!), kann auch eine Drehung des Apparates nichts bewirken.
Etwaige Lichtlaufzeiten sind da irrelevant, denn hier geht es darum, ob eine einmal gegebene Situation sich bei Drehung verändern kann. Und das ist eben nicht der Fall, weil v auf jeder Strecke praktisch verschwindet, wie man an obigen Formeln ersehen kann. Versuche solcher Art sind daher für den Nachweis eines Äthers völlig ungeeignet. Das gilt auch für die modernen MM-Versuche, wo zu der Kompensation von v noch kommt, dass es in den verwendeten Lasern und Resonatoren zum Lock-In (Einrast-)Effekt kommt, wie man dies von den Ringlasern kennt, was dazu führt, dass unterschiedliche Frequenzen sich gegenseitig synchronisieren und daher auch eine stehende Welle entsteht, wenn die zueinander laufenden Wellen leicht unterschiedliche Frequenzen bzw. Wellenlängen aufweisen. Dadurch ist in Verbindung mit den Doppler-Kompensationen auch nicht zu erwarten, dass man auf diese Weise eine Verletzung der Lorentzinvaranz aufzeigen könnte.
Das Phänomen der Frequenzsynchronisation wurde schon von Huygens an gemeinsam aufgehängten Pendeluhren gezeigt oder von Lord Rayligh mit benachbarten leicht verstimmten Orgelpfeifen vorgeführt und der Effekt hat heutzutage technische Relevanz z.B. beim Josephson-Kontakt. Diesen Lock-In Effekt gibt es sowohl in der Mechanik, Akustik als auch in der Optik und HF-Technik und letztlich weiß man über alle diese Zusammenhänge mit dem Licht noch viel zu wenig, um über die MM-Versuche endgültige Urteile zu fällen.
Die Arbeit von Engelhardt hat meine Ansicht über das MMI bestätigt und ich habe keinen Fehler in seinen Ausführungen gefunden. Auch sonst wurde mir von keiner Seite ein Fehler gezeigt. Statt dessen kommt man ständig mit diesem Lichtlaufzeiten-Unsinn daher. Da ist aber nix mit Phasenverschiebung im MMI bei existierendem Medium, und ich lasse mich gerne zu Anderem überzeugen, wenn man mir einen Fehler in Engelhardts Paper aufzeigt!
Außerdem sind oben gezeigte Formeln schon ausreichend, um das Nullresultat beim MMI zu erklären. Da bleibt auch kein noch so kleiner Betrag von v übrig... Darüber hinaus kann man den Sagnac.Effekt als Äthernachweis interpretieren, wobei klar sein muss, dass er nur die Rotationsanteile der Bewegung im Äther aufzeigen kann, weil sich die aus der longitudinalen Bewegung der Erde resultierenden Effekte gegenseitig aufheben.
Grüße
Harald Maurer