Grundsatzfrage

Hier wird die Relativitätstheorie Einsteins kritisiert oder verteidigt

Grundsatzfrage

Beitragvon Sebastian Hauk » Do 14. Jan 2010, 20:53

Hallo,

habe mir mal das hier durchgelesen:

Jocelyne Lopez 14.01.2010 | 10:14 @ Lutz:

“Es ist der Raum, der sich verändert. Natürlich ist dies messbar, andernfalls wäre die SRT nicht experimentell überprüfbar."

Das muss unbedingt geklärt werden, das ist eine Grundsatzfrage und keine Nebensache :-(
Es wird nämlich in der SRT bei der Längenkontraktion die ganze Zeit von der Verkürzung eines starren Objektes gesprochen. Diejenige, die die Längenkontraktion von bewegten Objekten als „Kontraktion des Raumes“ deuten, müssten es also begründen und nicht nur behaupten. Albert Einstein selbst spricht aber eindeutig bei der Längenkontraktion von einem Stab, der sich bei Bewegung verkürzt bzw. verkürzt erscheint (im Vergleich zu seiner vorher gemessenen Ruhelänge).

Im Falle einer Deutung der Längenkontraktion als „Kontraktion des Raumes“ wäre auch zu klären:

1) Was kontrahiert in einem leeren Raum à la SRT? Kann ein „Nichts“ kontrahieren?? Wie denn? Wie kann man messen, dass ein „Nichts“ kontrahiert? Wie hat man die Kontraktion des Raumes gemessen?

2) Oder soll man die ganz banalen Abstandsveränderungen zwischen relativ zueinander bewegten Objekten als „Kontraktion bzw. Dilatation des Raumes" umdefinieren? Was macht es denn für einen Sinn?

Viele Grüße
Jocelyne Lopez


http://www.chronologs.de/chrono/blog/br ... iner-m-hle

in der SRT verkürzt sich nicht der Raum, sondern Objekte. Starre Körper gab es nur am Anfang bei der SRT. In der SRT gibt es keine starren Körper. Wenn wir zwei Züge haben, die in Bezug zum Beobachter ruhen und dann losfahren, dann verkürzen sich die beiden Züge, aber nicht der Abstand zwischen ihnen. Das ist die LET Lösung und die LET Lösung muss identisch sein und ist auch identisch mit der SRT Lösung.

Gruß
Sebastian Hauk
 
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Re: Grundsatzfrage

Beitragvon Gerhard Kemme » Do 14. Jan 2010, 22:12

Sebastian Hauk hat geschrieben:in der SRT verkürzt sich nicht der Raum, sondern Objekte.

Ein Raum hat Länge x, Breite y und Höhe Z und ein Stab, z.B. Profileisen mit rechteckiger Querschnittsfläche, A=y1*Z1, hätte dann eine Länge x1. Wenn sich die Länge x1 dann verkürzt zu x1', dann kannst du nachrechnen, dass nunmehr auch das Volumen sich verringert hat - ohne auf sprachliche Spitzfindigkeiten zu achten.
Sebastian Hauk hat geschrieben:Starre Körper gab es nur am Anfang bei der SRT.

Der Erfinder der SRT, Albert Einstein, sprach durchaus von "des (bewegten) Stabes". Es gibt keine Theoriefortführung nach dem Motto, wenn die Theorie widerlegt wird, dann modifizieren wir die Theorie so, dass die Falsifizierung aufgehoben und eine neu gegen Kritik immunisierte zweite Version vorgestellt wird. Danach sind dann die Kritiker immer am hinterherlaufen und wenn Version No. 27 widerlegt wurde, dann kommt die Version No. 28. Insofern bezieht sich die SRT selbstverständlich auf starre Körper.
Sebastian Hauk hat geschrieben:In der SRT gibt es keine starren Körper. Wenn wir zwei Züge haben, die in Bezug zum Beobachter ruhen und dann losfahren, dann verkürzen sich die beiden Züge, aber nicht der Abstand zwischen ihnen. Das ist die LET Lösung und die LET Lösung muss identisch sein und ist auch identisch mit der SRT Lösung.

Selbstverständlich verkürzt sich in der SRT auch der Abstand zwischen den Zügen. Wenn wir zwei mit derselben Geschwindigkeit fahrende Züge haben, dann kann die Strecke vom Anfang des vorderen Zuges bis zum Ende des hinteren Zuges als die Länge eines bewegten Objektes aufgefasst werden, welches sich nach der Längenkontraktion der SRT aus dem Ruhesystem betrachtet und berechnet verkürzt. Entsprechend verkürzt sich auch der Abstand zwischen den Zügen nach dieser SRT-Rechnung. Das Schöne wäre doch auch, wenn die Geschwindigkeit der beiden Züge nahe Lichtgeschwindigkeit wäre, dann gilt "Für v=V, (v=c), schrumpfen alle bewegten Objekte vom ruhenden System aus betrachtet in flächenhafte Gebilde zusammen" :mrgreen: :mrgreen: . Wo würde denn da die Lücke zwischen den Zügen bleiben?
Wenn man etwas bezüglich der LET von Lorentz beurteilen will, dann sollte man die SRT aus dem Spiel lassen, d.h. dann wird eben die LET auf ihre Richtigkeit geprüft. Mit Andeutungen und assoziationshaltigen Aussagen entsteht keine Überzeugungskraft für eine Theorie, weder für die SRT noch LET. Selbstverständlich schiebt sich ein instabiler Körper an der Lichtgeschwindigkeitsgrenze zusammen - will man auf diesen Sachverhalt hinaus, dann muss man über das Phänomen gehen und kommt mit Relativität nicht überzeugend weiter. Nur das hat mit der SRT nix zu tun.

mfg
Zuletzt geändert von Gerhard Kemme am Do 14. Jan 2010, 22:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Grundsatzfrage

Beitragvon Sebastian Hauk » Do 14. Jan 2010, 22:24

Hallo Herr Kemme,

Albert Einstein, sprach durchaus von "des (bewegten) Stabes".


Zitat Einstein:

Sind nun A und B zwei Punkte eines starren Körpers ...


Zitat Kemme:

Selbstverständlich verkürzt sich in der SRT auch der Abstand zwischen den Zügen.


http://de.wikipedia.org/wiki/Bellsches_ ... fparadoxon

Die SRT muss indentisch sein mit der LET. Die Mathematik ist die Gleiche.
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Re: Grundsatzfrage

Beitragvon Gerhard Kemme » Do 14. Jan 2010, 22:48


Wie ist denn deine Meinung zum Raumschiffparadoxon?
Sebastian Hauk hat geschrieben:Die SRT muss indentisch sein mit der LET. Die Mathematik ist die Gleiche.

Das bezweifle ich, dass die Mathematik die Gleiche ist - hast du eine "Synopse" beider Theorien gemacht, d.h. die mathenatischen Herleitungen nebeneinander gestellt?

mfg

Nachtrag:
Das Schweineschnitzel-Paradoxon
"Ein Schweineschnitzel bleibt stationär auf der Erdoberfläche und ein zweites gleich großes wird auf die Spitze einer Rakete gespießt. Nach einem Raumflug kehrt das zweite wieder auf den Erdboden zurück und es zeigt sich, dass das Schnitzel, welches im Weltraum war, gebraten und knusprig braun ist." Dies bestätigt wieder das Postulat, dass bewegte Objekte schneller braten. Eine weitere Besonderheit dieses Paradoxons ist, dass aus der Sicht des stationären Schweineschnitzels zwei mit unterschiedlicher Zeitdauer im Weltraum gereiste Schweineschnitzel beide gleich gut durchgebraten sind - somit: Zwei unterschiedliche Zeiten werden zur gleichen Bräune. :!:
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Re: Grundsatzfrage

Beitragvon Sebastian Hauk » Do 14. Jan 2010, 22:52

Hallo Herr Kemme,

Wie ist denn deine Meinung zum Raumschiffparadoxon?


das wurde m.E. richtig gelöst, da hier die SRT mit der LET übereinstimmt. In der LET kann sich der Raum nicht verkürzen. Und die LET und die SRT müssen übereinstimmen. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen, weil ich die RdG nicht verstehe. Einstein hilft mir hier auch nicht weiter. Habe dazu ja hier schon zwei Threads zu aufgemacht.

viewtopic.php?f=6&t=205

viewtopic.php?f=6&t=206
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Re: Grundsatzfrage

Beitragvon Gerhard Kemme » Do 14. Jan 2010, 23:51

Sebastian Hauk hat geschrieben:
Wie ist denn deine Meinung zum Raumschiffparadoxon?

das wurde m.E. richtig gelöst, da hier die SRT mit der LET übereinstimmt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bellsches_Raumschiffparadoxon
Wenn die eine Theorie sagt "Die Erde ist eine Scheibe, weil ..." und eine zweite Theorie sagt "Die Erde ist eine Scheibe, denn ..." dann folgt doch aus der Übereinstimmung zweier falscher Theorien nichts Richtiges!?
Sebastian Hauk hat geschrieben:In der LET kann sich der Raum nicht verkürzen. Und die LET und die SRT müssen übereinstimmen.

Wo sind eigentlich die anderen Experten, z.B. Mordred, nocheinpoet? Für mich sind solche Aussagen völlig absurd - warum sollen LET und SRT übereinstimmen - zweifelsohne stimmen die nicht überein - nicht im Mindesten. Es wird gemäß meiner geringen Kenntnis ähnliches Gedankengut verwendet - aber mehr auch nicht.
Sebastian Hauk hat geschrieben: Mehr kann ich dazu auch nicht sagen, weil ich die RdG nicht verstehe. Einstein hilft mir hier auch nicht weiter. Habe dazu ja hier schon zwei Threads zu aufgemacht.

Irgendwie komme ich mit der Nennung der Paragraphen, § 10??, bezüglich deiner RdG nicht zurecht. Nach meiner wie gesagt flüchtigen Kenntnis wird im §3 "Theorie der Koordinaten- und Zeittransformation, S.901, S.902, das Gleichungssystem der Lorentz-Transformation hergeleitet und aus diesen Gleichungen lässt sich dann die Längenkontraktion, Zeitdilatation, Massenzunahme berechnen. Stelle dabei immer wieder wie bei einem Verkaufsgespräch fest, A.E. erläutert und man stimmt zu und ist überzeugt und liest und liest, dann plötzlich kommt ein Knackpunkt und da wird das dann voll falsch, z.B. "Die betrachtete Welle ist also auch im bewegten System eine Kugelwelle mit V". Die Rechnung der Längenkontraktion hatte ich, nachdem Harald das Gleichungssystem genannt hatte, einmal vorgerechnet. Allgemein kannst du nicht erwarten, dass du mit Zug und Bahnsteig und RdG eine Längenkontraktion nachweisen kannst, weil es die nicht gibt - das ist nun einmal auch und gerade bei Wikipedia alles Spinnkram³ und täuscht nur Wissenschaftlichkeit vor. Will einmal versuchen, ob ich eventuell bei Kamelopedia oder anderswo meine Materietierchentheorie, MTT, publizieren kann.

mfg
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Re: Grundsatzfrage

Beitragvon Jocelyne Lopez » Fr 15. Jan 2010, 08:28

Sebastian Hauk hat geschrieben:
in der SRT verkürzt sich nicht der Raum, sondern Objekte.


So ist das: Einstein spricht von der Längenkontraktion eines bewegten Objektes im Vergleich zu seiner vorher gemessenen Ruhelänge, er spricht von der Länge l (Ruhelänge) und von der kürzeren Länge l' (bewegte Länge) eines Stabes.

In Erklärungsnot greifen jedoch Relativisten zu irgendwelchen Begriffen, als Ablenkungsmanöver: Da es keine materielle Verkürzung von Objekten in Wirklichkeit existiert, verkürzt sich eben... der "Raum"- probieren wir es einmal mit diesem Begriff... ;) Wobei bei Nachfragen keiner in der Lage ist zu erklären, wie der "Raum" sich zwischen zwei relativ zueinander bewegten Objekten verkürzt, geschweige denn Experimente zu nennen, wo Verformungen des Raumes gemessen wurden. Bei dem immer wieder zur Hilfe gerufenen MM-Experiment verkürzt sich auch nicht der "Raum", sondern der Interferometer-Arm.

Wobei auch eine Veränderung des "Raums" zwangsläufig eine Veränderung der Länge bedeuten würde, wie Herr Kemme es demonstriert hat, weil bei der Berechnung eines Volums die Größe "Länge" auch berücksichtigt wird. Das Problem bliebe also bestehen.

Die Erklärung, die mir vom Teilnehmer Luchs im Blog von Dr. Herrig gegeben wurde "Es ist der Raum, der sich verändert", ist vor diesem Hintergrund ein sehr gutes Beispiel für die Anmerkung von Dr. Herrig in seinem Artikel:

Zitat Dr. Wolfgang Herrig:

Wie man findet oder wie es scheint, ist die sprachliche Unschärfe an solchen Stellen im Text keineswegs zufällig. Sprache dient seit jeher in allen menschlichen Bereichen, auch und gerade in der Naturphilosophie, sowohl zur Erklärung des Gewollten als auch zur Verschleierung des Unerwünschten. Keine Mathematik der Welt kann daran etwas ändern.


Hier dient die Sprache eindeutig zur Verschleierung des Unerwünschten.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Grundsatzfrage

Beitragvon Harald Maurer » Fr 15. Jan 2010, 11:21

Sebastian Hauk hat geschrieben:in der SRT verkürzt sich nicht der Raum, sondern Objekte.


Nein, es "verkürzt sich" gar nichts. Dass ein bewegtes Objekt oder eine bewegte "Länge" (gleichgültig ob starrer Körper oder eine durch gleichzeitig messbare Endpunkte definierte Strecke im "Raum") als verkürzt erscheint, ist die Folge einer MESSUNG, die in den Bezugssystemen nicht zu den gleichen Zeitpunkten und gleichen Orten erfolgen kann! Der Begriff der "Länge" ist in der SRT immer mit einer Messung derselben verbunden; aufgrund der Relativität der Gleichzeitigkeit fallen diese MESSUNGEN unterschiedlich aus und "Länge" ist daher ein relativer Begriff.
Schon einige Male hier im Forum erklärt. Leider vergeblich.

Es ist also nicht die Frage, wie Objekte es anstellen, mal länger oder kürzer zu sein, sondern wie es möglich ist, dass sich je nach Bezugssystem die Endpunkte der Länge an unterschiedlichen Orten befinden und zu unterschiedlichen Zeiten gemessen werden können! Das ist rätselhaft genug und hier wäre der richtige Ansatz zur Kritik. Die SRT erklärt (seit Minkowski) diese Vorgänge damit, dass Raum und Zeit ein raumzeitliches Ganzes darstellen - und die Lorentztransformation verwandelt tatsächlich Raum in Zeit oder Zeit in Raum; alle Ereignisse bleiben dennoch absolut und auch der raumzeitliche Abstand zwischen den Ereignissen, definiert durch das Linienelement ds²=dt² - dx²/c² bleibt in allen Inertialsystemen gleich, ist daher invariant.

Der Ort ist doch auch in der Galileitransformation relativ, Ortskoordinaten verändern sich auch hier je nach Geschwindigkeit und in der LT wird diese Veränderung nur noch durch Gamma modifiziert. Und jetzt kommt noch die Zeit dazu, die nicht mehr absolut, sondern ebenfalls relativ ist. Es verändern sich daher auch die Zeitpunkte, an welchem Längen an den veränderten Orten gemessen werden.

Wie sieht das nun beim Beispiel mit den Myonen aus. Ljudmil ("scharo") hat hier
http://www.mahag.com/neufor/viewtopic.php?f=6&t=203&start=10#p8514
versucht, es durchzurechnen und ist prompt zu falschen Schlussfolgerungen gekommen.

scharo hat geschrieben:Die Myonen sollen in einer Höhe von 20km entstehen und schießen in Richtung Erde mit sagen wir 0,99c rel. z. Erde. Postieren wir dort oben ein unbewegter rel. z. Erde Beobachter – nennen wir ihn Poet. Neben ihm flitzen Myonen. Beide, Poet und Myon betrachten den Abstand zur Erdoberfläche – es geht ja darum, ob der Myon die Erdoberfläche erreicht oder nicht. Die Relativisten meinen, aus der Sicht des Myons sei die Erdoberfläche viel, viel näher, als für den unbewegten Beobachter.
Beide Uhren – die des Myons und des Poeten starten nebeneinander bei 0 ms, Gamma (y) bei v = 0,99c ist so über Daumen 8. t und x sind die Koordinaten der Erdoberfläche aus der Sicht des Poeten, t´ und x´ aus der Sicht des Myons. x und v sind positiv.

x´ = (x – v*t)*y = (20km – 0,99*0)*8 = 160km !!!
t´ = (t – v*x)*y = (0 – 0,99*0,067)*8 = - 0,53ms
Die negative Zeit bedeutet, der Myon hat das 0ms Ereignis (Erdoberfläche) vor 0,53ms gesehen, oder, dass bei ihm diese 0,53ms schon vergangen sind, als er sich neben dem Poeten befand. Er müsste also bereits neben dem Poeten längst zerfallen sein. Er hat aber noch 160km zu fliegen, um die Erdoberfläche zu erreichen.
Wie wäre es mit v = 0,9994c?


Wenden wir nun die SRT bzw. LT richtig an am Beispiel eines Myons:

Es seien x1=0 und t1=0 die Koordinaten der Entstehung des Myons, und x2=20 km und t2=0 die gleichzeitige Position der Erdoberfläche (alles im Erdsystem gemessen).

Und v=0,99c = 296794,53342 km/s.

Die LT ergibt hierbei: x1'=0, t1'=0 und x2'=141,776 km und t2'= -0,000468 s.
(Ljudmil hat fälschlicherweise für Gamma nicht 7, sondern 8 verwendet, deshalb kommt er auf 160 statt auf 141 km.)

Diese 141,776 km sind natürlich keine "Länge", da wir dafür ja die GLEICHZEITIGE Position der aus Sicht des Myons BEWEGTEN Erdoberfläche ermitteln müssen.

D.h. wir wissen, dass sich die Erdoberfläche bei t2'=-0,000468 auf der Position x2'=141,776 km befand.

Wir wollen aber wissen, wo sie sich zum gleichen Zeitpunkt der Entstehung des Myons befand, d.h. zum Zeitpunkt t=0 und somit 0,000468s SPÄTER. In dieser Zeit bewegte sich die Erde um folgende Distanz weiter: 0,000468*0,99c=138,955 km. Und da sich die Erde aus Sicht des Myons in negativer Richtung bewegt, müssen wir diesen Wert von den Startkoordinate x2'=141,776 km ABZIEHEN, also 141,776-138,955= 2,82km.

Überprüfen wir mal, ob die Kontraktionsformel das Gleiche ergibt: Also L'=L/Gamma=20/7,0888= 2,82 km...

Also die 2,82 km sind DER KONTRAHIERTE ABSTAND ZWISCHEN ERDE UND MYON IM MYONENSYSTEM, und nicht die 141 bzw. 160 km. Das sind vorerst nur reine LT-Koordinaten, die erst gemäß der Messvorschriften für die LK (t1'=t2' !) eingeordnet werden mussten.

Was ist da passiert? Ist da was geschrumpft, hat sich da etwas verkürzt, haben sich Volumina verkleinert oder Atome verändert etc.? Nichts dergleichen. Ich wiederhole nun den Satz, welcher das Verstehen dieses Vorgangs enthält:

Wir wollen aber wissen, wo sich die Erdoberfläche zum gleichen Zeitpunkt der Entstehung des Myons befand, d.h. zum Zeitpunkt t=0 und somit 0,000468s SPÄTER. In dieser Zeit bewegte sich die Erde um folgende Distanz weiter: 0,000468*0,99c=138,955 km. Und da sich die Erde aus Sicht des Myons in negativer Richtung bewegt, müssen wir diesen Wert von den Startkoordinate x2'=141,776 km ABZIEHEN, also 141,776-138,955= 2,82km.


Wer sich das "verinnerlicht", wird feststellen, dass die kontrahierte Strecke dadurch zustande kommt, dass die gleichzeitige Beurteilung der Orte und Zeiten nicht in beiden Bezugssystemen übereinstimmt. Es ist die Messvorschrift (t1'=t2'), die eine gleichzeitige Messung der Endpunkte der bewegten Länge behauptet - aber die Strecke bewegt sich de facto während der Messung, weil die Zeitpunkte der Messung gar nicht gleichzeitig sind. Relativität der Gleichzeitigkeit macht's möglich.

Hier kann man dann die Kritik ansetzen und sagen: das ist doch alles nur ein mathematischer Hokuspokus. Er wurzelt in der postulierten Invarianz der Lichtgeschwindigkeit, die dazu führt, dass in einem bewegten Bezugssystem, z.B. einem Eisenbahnwaggon, von der Mitte abgestrahlte Photonen gleichzeitig die Wände erreichen und dies für einen dagegen ruhenden Außenbeobachter nicht der Fall ist, weil sich hier die Wände gegenüber dem Licht, das nun auch jetzt invarant zu sein hat, bewegen, und die Wände nun ungleichzeitig erreicht werden würden. Die Beobachter beseitigen mittels LT den Widerspruch, indem sie nicht die Beschaffenheit des Waggons, sondern die Koordinaten ihrer Bezugssysteme modifizieren. Da die Messung einer Länge auf der Basis dieser Koordinaten erfolgt, kann sie keine absoluten Werte ergeben.

"Ja, jetzt kapier ich's", sagte das Enkelkind meines Nachbarn, " die Myonen messen die Endpunkte ihrer Entfernung zur Erdoberfläche gar nicht gleichzeitig, sondern das glauben sie nur ... und wenn sie den zweiten Endpunkt messen, machen sie das eigentlich 0,000468s später ... und in diesem Zeitraum ist die Erdoberfläche aber um 138,955 km näher heran gerast ... Ist doch klar, dass dann nur 2,82 km übrig bleiben!"

Was für ein schlaues Kind!

Grüße
Harald Maurer

An dieser Stelle muss ich meinen besonderen Dank an Dietmar aussprechen, der mir im Bemühen, die SRT und LT richtig anzuwenden, sehr hilfreich war!
Harald Maurer
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Re: Grundsatzfrage

Beitragvon Ernst » Fr 15. Jan 2010, 13:43

Harald Maurer hat geschrieben:
An dieser Stelle muss ich meinen besonderen Dank an Dietmar aussprechen, der mir im Bemühen, die SRT und LT richtig anzuwenden, sehr hilfreich war!

Dito. Dietmar hat mir ebenfalls weitergeholfen.

So sind die hier vielfach kritisierten LK, ZD, ZP etc (weil aus dem Kontext der gesamten SRT herausgepickt) nicht überzeugend. Meistens wird die RdG vernachlässigt. Wendet man dagegen exakt die komplette Lorentz-Transformation an, so ergeben sich eben die genannten Effekte. Die SRT ist in sich mathematisch widerspruchsfrei und daher mathematisch nicht zu widerlegen.

Wie Du schriebst, beinhalten die Gleichungen der LT eine spezielle Meßvorschrift, welche auf die Postulate der SRT gründet. Und selbstverständlich erhält man alle diese Ergebnisse, wenn man die Meßvorschrift einhält. Also durch sich selbst kann man die SRT nicht falsifizieren.

Kritikwürdig ist meines Erachtens die abgeleitete Aussage, daß LK (wird nicht so heftig verteidigt) und ZD/ZP tatsächlich real sind. Wobei die Realität wiederum nicht kontrollierbar ist, weil sie ja im System stattfindet, daß sich gegenüber dem Beobachter bewegt. Er hat keine Zugriff für eine konventionelle Messung.

Wendet man andere Meßvorschriften an, (externe Synchronisation) wie etwa in deinem Experiment, erhält man natürlich andere Ergebnisse als die der SRT.
Man kann auch die Uhren an einem Ort synchronisieren und sie langsam voneinender entfernen.
Bei solchen Meßvorschriften erhält man keine der SRT Effekte, sondern eher solche, die mit der klassischen Physik mit oder ohne Äther übereinstimmen.

Gruß
Ernst
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Re: Grundsatzfrage

Beitragvon scharo » Fr 15. Jan 2010, 14:31

Lieber Harald,

Du warst zu vorschnell. Lass doch den Relativisten den Vortritt, lass sie doch noch etwas zappeln! Bislang war Grabesstille. Dass der möchtegernPoet nicht reagieren wird, ist schon klar, seine Kenntnisse sind ja extrem bescheiden, ich hoffte aber, dass ein anderer Relativist in der Falle tappen würde.

Ja, Du hast richtig gerechnet, aber Du hast etwas übersehen, was clevere Relativisten gerne vertuschen. Nein, Du hast es doch nicht übersehen, nur nicht klar ausgedrückt.

Was der Gammafaktor betrifft – ja, richtig – bei mir steht ja „so über Daumen“.
Das, was Du und ich berechnet haben ist, die angebliche, d.h. nach Meinung des unbewegten Beobachters, Koordinaten des Ereignisses aus Sicht des Myons bei t = 0.
Richtig – zu diesem Zeitpunkt t = 0 müsste das Myon die Koordinaten der Erdoberfläche als – 0,468ms und 141km sehen.
Richtig, dass das Myon bei t´ = 0 bereits 138 km geflogen ist und ihm 2,8km übrig bleiben.
Meine Äußerung – „Er hat aber noch 160km zu fliegen ...“ ist natürlich falsch.

Was Du nicht klar ausdrückst, ist, dass dem Myon zwar noch 2,8km übrig bleiben, ABER es ist schon bereits 0,468ms geflogen. D.h. es müsste insgesamt 0,468ms + 2,8km/0,99c seit seiner Entstehung fliegen, um die Erde zu erreichen. Oder, es erreicht die Erde nach der LT niemals.

„Diese 141,776 km sind natürlich keine "Länge",“

Natürlich ist das eine Länge, Abstand, wenn die x_0-Koordinate = 0 ist. Die Frage ist nur zu welcher Zeit hat diese Abstand das Myon gesehen – und das war vor 0,468ms.

„...und wenn sie den zweiten Endpunkt messen, machen sie das eigentlich 0,000468s später ... und in diesem Zeitraum ist die Erdoberfläche aber um 138,955 km näher heran gerast ... Ist doch klar, dass dann nur 2,82 km übrig bleiben!"

Eben, das Myon ist schon 138km geflogen. Erdoberfläche würde ich nicht sagen, die Erdoberfläche war das Punktereignis, und es ist immer unbewegt. Das Myon ist der „bewegte“ Beobachter.

Das, was Dir bekannt ist, aber für Mitleser – bei t = 0 befand sich das Myon natürlich neben dem „ruhenden“ Beobachter, wo denn sonst. Die echten Koordinaten, die der Myon-Beobachter misst, sind natürlich 20km und 20km/0,99c. Invarianz der Eigenzeit und Eigenlänge. Die Koordinaten von –0,468ms und 141km sind die Koordinaten, die nach Meinung des ruhenden Beobachter, der Myonbeobachter messen sollte, um die Invarianz der LG einzuhalten. ZD und LK immer im fremden IS.

Liebe Grüße
Ljudmil
scharo
 
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