Bitte um Klärung an Dr. Markus Pössel

Hier wird die Relativitätstheorie Einsteins kritisiert oder verteidigt

Re: Bitte um Klärung an Dr. Markus Pössel

Beitragvon Gerhard Kemme » Di 8. Jun 2010, 19:01

Jocelyne Lopez hat geschrieben:
Gerhard Kemme hat geschrieben:Es ist sehr leicht andere Berufsgruppen zu kritisieren, solange man auf einer reinen verbalen Ebene ohne Vertiefung der Diskussion verbleiben kann. Die Mathematik hat etwas mit Systematik und Allgemeinheit von Aussagen zu tun.

Die Mathematik erforscht nicht die Welt, sie ist nur ein Werkzeug, die Mathematik soll die physikalische Wirklichkeit beschreiben.

Die Mathematik erforscht die Mathematik - und dies tut sie systematisch. Sie stellt somit mathematische Instrumente bereit, die von den Fachwissenschaften abgeholt werden können, damit typische Anwendungen aller wissenschaftlichen Disziplinen mathematisch gelöst werden können. Alle Wissenschaften - auch die Mathematik - können durch ideologische Vorgaben beeinflußt werden - allerdings hat sich das in Grenzen gehalten. Wobei es doch nicht die Mathematik ist, die die physikalische Wirklichkeit beschreibt und beschreiben soll - dies obliegt der Theoretischen Physik.
Jocelyne Lopez hat geschrieben:Und ich möchte sehr wohl seit 5 Jahren die Diskussion um die Widersprüche und Undeutlichkeiten der physikalischen Wirklichkeit der SRT vertiefen, das habe ich lange genug bewiesen. Und zwar mehr als alle Andere hier und auch mehr als Sie.

Wie kommst du auf so merkwürdige Sätze wie "und auch mehr als Sie"? Unsere Anzahl der Nennungen bei Google ist ungefähr gleich und liegt bei ca. 18000. Du sprichst von "seit 5 Jahren" und bei mir sind das 9 Jahre:
http://groups.google.com/group/z-netz.wissenschaft.physik/browse_thread/thread/4221d2c845835ec6/61812f38d0f48df3?q=#61812f38d0f48df3
Ich habe zwei Bücher geschrieben, die teilweise diese Thematik berühren. Wieviele Bücher hast du als Autorin zur RT geschrieben? Mein Studium und Lehrerdasein kann man da auch nicht ganz ausklammern - du kannst immer schön sagen, dass du "Laie" wärest, während die Verantwortung, dass dann überzeugende Gegenargumente auf den Tisch kommen, bei den studierten Mathematikern und Elektrotechnikern liegt. Spaß muss sein, aber die Wahrheit ist mir eine moralische Verantwortung. :mrgreen:
Jocelyne Lopez hat geschrieben:
„Jeder dieser Beobachter sitzt im Nullpunkt seines eigenen, relativ zum Strand bewegten, Koordinatensystems“.

Das wäre konstruktiv, anstatt zu monieren, dass es immer noch Menschen gibt, die in unserer Gesellschaft die SRT nach mehr als 100 Jahren kritisieren und sich nicht mundtot machen lassen. Es wird eben immer Menschen geben, die sich mit Zensur und Unterdrückung nicht abfinden. Auch das gehört zu unseren menschlichen Gesellschaften.
Also ich höre gerne eine vernünftige Erklärung von Ihnen: Was soll man sich unter diesem Satz vorstellen, dass ein Beobachter im Nullpunkt seines eignenen, relativ zum Strand bewegten Koordinatensystems sitz. Ich bin ja gespannt.

Meine Antwort darauf habe ich bislang etliche Male gegeben, z.B.:
viewtopic.php?f=6&t=296&start=110#p15076
Wenn Mathematiker oder Physiker sich als Kritiker der SRT oder A.E. entpuppen, dann sind sie danach keine Mathematiker oder Physiker mehr - dies gilt auch für Lehrer an Allgemeinbildenden Schulen. Jede Berufsgruppe ist von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig und für die Wissenschaft gilt dies ganz besonders.

Du kannst nicht mit einem Physiker oder Mathematiker des Wissenschaftsbetriebes die RT öffentlich mit Wahrheitsanspruch diskutieren. Muß ich jetzt Beispiele aufzählen, dass man dieses oder jenes Thema im Staat XY nicht öffentlich mit Wahrheitsanspruch diskutieren kann. Insofern wäre ich immer dafür, publizierte Inhalte zu kritisieren, wenn sie voller Unrichtigkeiten sind - die Person lasse ich dabei gerne weg, da ich den Weg nicht sehe, wie sich ein Hochschullehrer oder sonstiger Angestellter anders verhalten soll.
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Re: Bitte um Klärung an Dr. Markus Pössel

Beitragvon Trigemina » Di 8. Jun 2010, 19:20

Man kann nur gleichartige Grössen (wie die Anzahl Tore z.B.) auf einer gemeinsamen Basis miteinander addieren. Es wäre überaus sinnlos, Fussballergebnisse mit Handballergebnissen durch einfache Addition aufzurechnen.

Konkret auf das relativistische Additionstheorem von Geschwindigkeiten bezogen ist eine einfache Addition aufgrund der verschiedenen Bezugssysteme nicht mehr möglich. Die Bewegungsinvarianz der Lichtausbreitung erfordert deshalb die Lorentz-Transformation. Kovariante Systeme der Elektrodynamik lassen sich eben nur noch mit der LT in eine gemeinsame Form gleichartiger Physik bringen. Nimmt man in der ED eine galilei-invariante Form an, gelten die Maxwell-Gleichungen nicht mehr in jedem Inertialsytem, was vor über hundert Jahren zu verschiedenen Ansätzen etlicher Äthersysteme geführt hat. Einstein verknüpfte den von Newton geprägten absoluten Raum und die absolute Zeit zu einem Raumzeit-Kontinuum in einer vierdimenisionalen Struktur, deren Linienelemente ds invariant in Bezug auf die LT und proportional zur Eigenzeit d_tau*c sind.

Ich denke dass der grösste Teil der Kritik an Einstein auf Unverständnis der Grundlagen basiert und zuweilen einer Phobie gegen die Person Einstein nahe kommt. Wer Einstein kritisiert - insbesondere die von Lorentz abgeleitete Transformation -, kritisiert ohne es vielleicht zu wollen zugleich die gesamte Elektrodynamik. Und spätestens an diesem Punkt hört bei mir jegliche Redlichkeit der vorgetragenen Kritik auf zu bestehen.

Wer von einem Äther ausgehen will - was a priori nicht in Abrede gestellt werden kann - sollte ihn wie es Lorentz getan hat in eine konsistente Form und in Übereinstimmung mit den elektrodynamischen Experimenten bringen. Alles andere ist doch blosse Strohmann-Argumentation.

Gruss
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Re: Bitte um Klärung an Dr. Markus Pössel

Beitragvon Jocelyne Lopez » Di 8. Jun 2010, 19:37

Mirko hat geschrieben:
Jocelyne Lopez hat geschrieben:Nun, diese groteske Vorstellung ist ja nicht von mir, sondern von dem Relativisten "Dingle", der so etwas hochgradig Lächerliches in einer Diskussion gesagt hat: http://www.jocelyne-lopez.de/blog/2009/ ... ch-bewegt/

Oder, falls Dir das besser gefällt, der Beobachter, der die Messungen vornimmt, wird sich selbst immer die Geschwindigkeit 0 zumessen.


Du darfst also ruhig über diese Vorstellung schmunzeln, und zwar freiwillig, sie bietet sich geradezu dafür an. :P



Was für eine Geschwindigkeit soll er denn sonst zu sich selbst messen?? Du hast selbst gesagt, der Experimentator würde sich nicht bewegen.


Es ist nie davon die Rede gewesen, dass man eine Relativgeschwindigkeit zwischen der Welle und einem ruhenden Experimentator messen sollte, sondern zwischen der Welle und 4 bewegten Beobachtern. Du musst schon die Konstellation kennen, bevor Du darüber diskutierst, die wurde ja eindeutig beschrieben, das ist sonst müssig... Die Konstellation ist: Eine Welle bewegt sich mit einer postulierten, konstanten Eigengeschwindigkeit (relativ zum Strand) frontal zu 4 Beobachtern, die sich wiederum mit 4 verschiedenen Eigengeschwindigkeiten (auch relativ zum Strand) zur Welle bewegen. Das ist doch nicht schwierig, sich diese Konstellation vorzustellen, oder?

Zu keinem Zeitpunkt ging es darum, die Geschwindigkeit der Welle zu einem ruhenden Beobachter zu messen und noch weniger darum, die Geschwindigkeit eines Beobachters zu sich selbst... :roll: Du musst schon die Konstellation kennen, bevor Du mitdiskutierst.

Man kann sich allerdings zwei Methoden der Messung der Relativgeschwindigkeit vorstellen zwischen der Wasserwelle und den 4 Beobachtern, die sich zur Wasserwelle bewegen, das haben wir auch schon weiter oben besprochen, das kannst Du nachlesen oder Dir das einfach selbst vorstellen:

1) Entweder eine Messung durch einen externen, unbeteiligten Beobachter (einen Experimentator), der separat die Strecke und die Zeit zwischen Welle und dem jeweils bewegten Beobachter misst und die Relativgeschwindigkeit berechnet (indirekte Messung).

2) Oder jeder bewegte Beobachter misst selbst seine Relativgeschwindigkeit zur Wasserwelle, zum Beispiel mit einer Laserpistole oder einem Radar (direkte Messung).

Mit beiden Messmethoden (direkte und indirekte) muss natürlich die gleiche Relativgeschwindigkeit zwischen den jeweiligen Beobachtern und der Welle gemessen werden, denn es ja nur eine einzige Relativgeschwindigkeit zwischen zwei zueinander bewegten Objekten geben kann.

Es ist also nie die Rede gewesen, die Relativgeschwindigkeit zwischen der Wasserwelle und einem ruhenden Beobachter zu messen. Und noch weniger die Relativgeschwindigkeit eines Beobachters zu sich selbst, was soll das, das ist doch völlig albern. :roll:

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Bitte um Klärung an Dr. Markus Pössel

Beitragvon Mirko » Di 8. Jun 2010, 19:41

Jocelyne Lopez hat geschrieben:
Mirko hat geschrieben:
Du darfst also ruhig über diese Vorstellung schmunzeln, und zwar freiwillig, sie bietet sich geradezu dafür an. :P



Was für eine Geschwindigkeit soll er denn sonst zu sich selbst messen?? Du hast selbst gesagt, der Experimentator würde sich nicht bewegen.


Es ist nie davon die Rede gewesen, dass man eine Relativgeschwindigkeit zwischen der Welle und einem ruhenden Experimentator messen sollte, sondern zwischen der Welle und 4 bewegten Beobachtern. [/quote]

Der Beobachter ist der Experimentator. Das kommt davon, wenn man Begriffe und Bezüge vermischt.
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Re: Bitte um Klärung an Dr. Markus Pössel

Beitragvon Jocelyne Lopez » Di 8. Jun 2010, 20:13

Gerhard Kemme hat geschrieben:
Du kannst nicht mit einem Physiker oder Mathematiker des Wissenschaftsbetriebes die RT öffentlich mit Wahrheitsanspruch diskutieren. Muß ich jetzt Beispiele aufzählen, dass man dieses oder jenes Thema im Staat XY nicht öffentlich mit Wahrheitsanspruch diskutieren kann.


Doch, ich kann es zum Beispiel, ich habe beruflich nichts zu verlieren, ich habe keine Bücher geschrieben, ich verdiene kein Geld mit der Wissenschaft und will auch kein Geld damit verdienen, ich strebe nicht nach wissenschaftlicher Karriere oder Anerkennung, ich bin gar nichts, man kann also keinen Druck auf mich ausüben. Es gibt einige Kritiker, die es auch können, weil sie nicht in Wissenschaftsbetrieben tätig sind oder auch aus dem Berufsleben schon raus sind.
Ich verstehe jedoch Ihre persönliche Haltung und muss sie akzeptieren und respektieren.

Gerhard Kemme hat geschrieben:Insofern wäre ich immer dafür, publizierte Inhalte zu kritisieren, wenn sie voller Unrichtigkeiten sind - die Person lasse ich dabei gerne weg, da ich den Weg nicht sehe, wie sich ein Hochschullehrer oder sonstiger Angestellter anders verhalten soll.


Es ist nicht üblich und auch nicht erstrebenswert, publizierte Inhalte zu kritisieren, ohne den Namen des Autors zu nennen und ihn persönlich mit seinen eigenen Aussagen und Auffassungen zu konfrontieren.

Und es fällt mir ein bisschen schwer mir vorzustellen, dass ein Hochschullehrer keinen Weg zur Herstellung eines normalen Wissenschaftsbetriebes in seinem Arbeitsbereich finden könnte, falls er die Notwendigkeit dafür erkennen würde - also Berücksichtigung und Zulassung der Kritik einer Theorie. Ich glaube aber, dass die meisten Hochschullehrer einfach die Kritik nicht kennen und sich persönlich nicht so viele Gedanken über die Richtigkeit der Theorie gemacht haben: sie haben sie als Studenten als richtig aufgenommen - ist ja normal - und später nie in Frage gestellt, sie tradieren sie kritiklos, wie sie die aufgenommen haben, sie sind sich einer Zensur und einer Unterdrückung der Kritik nicht bewußt, sie kennen einfach nicht die Existenz einer ernst zunehmenden Kritik. Woher sollten sie die auch kennen? Diese persönliche Erfahrung, dass man lange Zeit von einer qualifizierten und ernstzunehmenden Kritik nicht gewußt hat, hört man von vielen Kritikern mit einer vollständigen universitären Ausbildung.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
Zuletzt geändert von Jocelyne Lopez am Mi 9. Jun 2010, 06:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bitte um Klärung an Dr. Markus Pössel

Beitragvon Gerhard Kemme » Di 8. Jun 2010, 22:23

Trigemina hat geschrieben:Man kann nur gleichartige Grössen (wie die Anzahl Tore z.B.) auf einer gemeinsamen Basis miteinander addieren. Es wäre überaus sinnlos, Fussballergebnisse mit Handballergebnissen durch einfache Addition aufzurechnen.

In einem alltäglichen Kontext ist es so wie du es sagst, das ist klar. In der Technik oder den sonstigen Wissenschaften oder ganz besonders in der Mathematik können auch andere Additionen auftreten. Man kann nach einem Spielnachmittag mit Handball und Fußball natürlich alle erzielten Tore zusammenaddieren oder 5 Obstobjekte (Äpfel) + 3 Obstobjekte (Birnen) = 8 Obstobjekte (sowohl als auch) rechnen. Entsprechend 1 Wolke + 1 Wolke = 1 Wolke (bei Überdeckung) - entsprechend Schatten. Wenn eine Verknüpfungstabelle vorhanden ist, dann gibt es noch völlig andere Additionen, die auch eine Gruppe bilden, d.h. da ist dann eben 2+4=3. Siehe Verknüpfungstabelle :

+ | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
____________________
...|
0 | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
...|
1 | 1 | 2 | 0 | 4 | 5 | 3 |
...|
2 | 2 | 0 | 1 | 5 | 3 | 4 |
...|
3 | 3 | 5 | 4 | 0 | 2 | 1 |
...|
4 | 4 | 3 | 5 | 1 | 0 | 2 |
...|
5 | 5 | 4 | 3 | 2 | 1 | 0 |

Trigemina hat geschrieben:Wer Einstein kritisiert - insbesondere die von Lorentz abgeleitete Transformation -, kritisiert ohne es vielleicht zu wollen zugleich die gesamte Elektrodynamik. Und spätestens an diesem Punkt hört bei mir jegliche Redlichkeit der vorgetragenen Kritik auf zu bestehen.

Die LT und die aus ihr hergeleiteten alltagsphysikalischen Einlassungen ZP, ZD, Masseneffekt, LK sind von A.E. und seinen Anhängern in die Alltagswelt der Menschen eingeführt worden, ohne dass hierzu Anlass bestand und ohne dass deren Richtigkeit auch nur im Mindesten belegt werden konnte. Hätte man die Formeln in der Laborwelt belassen und dort mit ihnen nach dem Prinzip, dass es Erfahrungswerte seien, die man nicht weiter begründen könne, gerechnet, dann hätten wir das Dilemma mit der RT absolut nicht.
Trigemina hat geschrieben:Wer von einem Äther ausgehen will - was a priori nicht in Abrede gestellt werden kann - sollte ihn wie es Lorentz getan hat in eine konsistente Form und in Übereinstimmung mit den elektrodynamischen Experimenten bringen.

Eine Äthertheorie wäre ein phänomenalistischer Ansatz, der so nah wie möglich an der erkennbaren physikalischen Realität bleibt und erst aus deren Gesetzmäßigkeiten dann ein passendes mathematisches Modell bildet. Wobei es dann wie bei zweiseitigen Tunnelbohrungen wäre, dass sich die aus äthertheoretischen Überlegungen hergeleiteten Gesetze mit anderen mathematischen Modellen, z.B. den Maxwellschen Gleichungen, treffen. Konkret könnte es so sein, dass der Äther irgendwie als ein elastischer Stoff ähnlich einem Gas angenommen wird und sich Formeln bezüglich Kompression dann auf die Maxwellschen Gleichungen überleiten lassen. Da heißt es dann allerdings immer: Erstmal können vor lachen :mrgreen: , d.h. entweder gehen da einige Physiker und Mathematiker ernsthaft ran, dann wird das eventuell etwas - oder es dauert bei mir noch Jahre.
Trigemina hat geschrieben:Alles andere ist doch blosse Strohmann-Argumentation.

Erzähle uns bitte wie Schall und Licht erzeugt werden und so weiter und so fort. Es existiert kein Königsweg der Forschung - meistens sind es unterschiedliche Ansätze - wie man es bereits hier im Forum sehen kann. Nach und nach wird sich ein brauchbarer Ansatz zeigen, der allerdings auch Erklärungskraft haben sollte und sich in der Kritik bewährt.
Gerhard Kemme
 
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Re: Bitte um Klärung an Dr. Markus Pössel

Beitragvon Trigemina » Di 8. Jun 2010, 23:17

Hallo Gerhard

Zwischen Materie und Energie besteht nicht nur irgendeine unbestimmte Beziehung, sondern eine ganz bestimmte, die sich unter anderem in der Äquivalenz von Energie und Materie ausdrückt und zur Gleichung E=m*c² führt. Somit wären wir bei der ART angelangt, in der diese feldbestimmende Energie die Geometrie der gekrümmten Raumzeitstruktur determiniert und die SRT als Spezialfall einer flachen feldfreien Raumzeit enthält.

Eine forcierte Aufprägung mathematischer Strukturen auf die physikalische Realität kann ich nicht erkennen. Die Mathematik ist keine Vorlage für physikalische Prozesse, sondern die logische Operationsgrundlage zur qualitativen und quantitativen Beschreibung derselben. Dahingehend gibt es nicht ein einziges Experiment, welches eine Verletzung des angeblich willkürlichen 2. Postulats Einsteins nachweist. Solange dieses Postulat experimentell nicht falsifiziert werden kann – obwohl grundsätzlich falsifizierbar -, sehe ich keinen hinreichend notwendigen Grund daran zu zweifeln.

Ich meinte mit der Falsifiierbarkeit des 2. Postulats Einsteins keine Gedankenexperimente, sondern tatsächlich durchgeführte und reproduzierbare Experimente unter kontrollierten Bedingungen. Dein in der Vergangenheit aufgeführtes Überholbeispiel unterschiedlich bewegter Fahrzeuge vermag in unserer Alltagserfahrung mit der Galilei-Transformation akkurat berechnet werden, stösst jedoch in der Elektrodynamik an ihre Grenzen, was erst über den von Lorentz (und anderen) geprägten Äther mittels der nach ihm benannten Lorentz-Transformation widerspruchsfrei zu erklären und berechnen möglich war. Später wurde der Äther durch Einsteins 2. Postulat vom nicht mehr als isolierte Grössen zu betrachtenden Kontinuum des Raums und der Zeit abgelöst.


Wenn elektrodynamische Prozesse, wie ich indirekt aus deinen Ausführungen entnehme, einem anderen Erfahrungsraum zuzuordnen seien, so sind sie doch messbaren elektromagnetischen Feldern und ihren Wechselwirkungen unterworfen und können – entgegen der Alltagserfahrung im Niedergeschwindigkeitsbereich – nicht mehr konsistent mit der Galilei-Transformation beschrieben werden. Man hatte vor über 100 Jahren einen guten Grund besagten Äther zu modellieren. Er wurde aus der Not geboren und entstammt keinen adaptiv mathematischen Zwangsmassnahmen, um jene mit der GT nicht übereinstimmenden Koordinatentransformationen dennoch korrekt zu berechnen.

Gruss
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Re: Bitte um Klärung an Dr. Markus Pössel

Beitragvon Ernst » Mi 9. Jun 2010, 06:49

Trigemina hat geschrieben: Wer Einstein kritisiert - insbesondere die von Lorentz abgeleitete Transformation -, kritisiert ohne es vielleicht zu wollen zugleich die gesamte Elektrodynamik. Und spätestens an diesem Punkt hört bei mir jegliche Redlichkeit der vorgetragenen Kritik auf zu bestehen.

Es wird weder Einstein kritisiert noch die LT. Vielmehr die SRT.
Die angewandte Elektrodynamik wird schon gar nicht bezweifelt. Schließlich funktionierte die Anwendung der Maxwellschen Gleichungen in der angewandten Elektrodynamik 40 Jahre lang bestens ohne die SRT. Sie war aus diesem Grunde gar nicht notwendig.
Unabhängig davon: Ganz unnötig und meines Erachtens falsch war die Übertragung dieser These auf die Mechanik. Das ist mein Hauptkritikpunkt. Solange man in der Elektrodynamik bleibt, führt die LT auf eine akzeptable Beschreibung der Natur. Der Übertrag der Elektrodynamik auf eine "Elektrodynamik bewegter Körper" führt allerdings zwangsläufig zu den diversen Paradoxa, welche beweisen, daß dieser Übertrag unzulässig ist.
Es existiert meines Wissens kein einziges Experiment, welches die Kompatibilität der SRT zu bewegten Körpern nachweist.

Gruß
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Re: Bitte um Klärung an Dr. Markus Pössel

Beitragvon carly » Mi 9. Jun 2010, 07:02

Universitätsbibliothek Bochum

Man kann 4 Bücher von den Kritikern RT fienden:
1. Lipsius (1926)
2. Prof. Karl Brinkmann
3. Gotthard Bart "Gigantischer Betrug mit Einstein".
4. Marquardt und Galetzki "Requiem für Relativität"

Wenn die alle Physikstudenten und Professoren Anhänger der RT sind, wie manche hier in Forum behaupten, dann fragt man sich, wie konnten man diese kritsche Bücher überhaupt in einer Universitätsbibliothek finden?

Gruss Carly
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Re: Bitte um Klärung an Dr. Markus Pössel

Beitragvon Jocelyne Lopez » Mi 9. Jun 2010, 08:39

Gerhard Kemme hat geschrieben:
Trigemina hat geschrieben:Man kann nur gleichartige Grössen (wie die Anzahl Tore z.B.) auf einer gemeinsamen Basis miteinander addieren. Es wäre überaus sinnlos, Fussballergebnisse mit Handballergebnissen durch einfache Addition aufzurechnen.

In einem alltäglichen Kontext ist es so wie du es sagst, das ist klar. In der Technik oder den sonstigen Wissenschaften oder ganz besonders in der Mathematik können auch andere Additionen auftreten. Man kann nach einem Spielnachmittag mit Handball und Fußball natürlich alle erzielten Tore zusammenaddieren oder 5 Obstobjekte (Äpfel) + 3 Obstobjekte (Birnen) = 8 Obstobjekte (sowohl als auch) rechnen. Entsprechend 1 Wolke + 1 Wolke = 1 Wolke (bei Überdeckung) - entsprechend Schatten. Wenn eine Verknüpfungstabelle vorhanden ist, dann gibt es noch völlig andere Additionen, die auch eine Gruppe bilden, d.h. da ist dann eben 2+4=3. Siehe Verknüpfungstabelle :


1) In einem alltäglichen Kontext ist es aus Erfahrung millionenfach belegt worden, dass die Geschwindigkeiten von linear zueinander bewegten Objekten auf einer direkten Verbindungslinie und in Bezug auf ein gemeinsames Bezugssystem (Erdoberfläche oder Himmel) sich einfach addieren: Es gilt in der Natur die klassische Geschwindigkeitsaddition. Das hat sich in der Praxis und der Technologie millionenfach bestätigt: Mit dieser Geschwindigkeitsaddition kann man nämlich richtige und hochpräzise Vorhersagen über den Zeitpunkt und den Standort von materiellen, messbaren Ereignissen liefern, zum Beispiel für den Zusammenstoß von zwei Objekten auf Kollisionskurs. Es hat sich also experimentell millionenfach unbestreitbar bestätigt, dass die Geschwindigkeiten von zwei zueiander bewegten Objekten in Bezug auf ein gemeinsames Bezugssystem und in direkter Verbindungslinie sich einfach addieren. Es leugnen zu wollen ist unsinnig.

2) Dass dagegen die Geschwindigkeiten von zwei zueinander bewegten Objekten auf einer direkten Verbindungslinie und in Bezug auf ein gemeinsames Bezugssystem (Erdoberfläche oder Himmel) gar nicht addiert werden dürfen wie bei dem relativistischen Additionstheorem (damit c immer invariant zu allen Beobachtern bleibt) ist keine Randbedingung und kein Spezialfall, sondern es ist eine völlig gegenseitige und widersprechende Auffassung! :o Diese Auffassung wurde nicht nur nie experimentell nachgewiesen, sondern eben ganz im Gegenteil millionenfach experimentell dadurch widerlegt, dass die klassische Geschwindigkeitsaddition in der Natur gilt (siehe 1).


Gerhard Kemme hat geschrieben:
Die LT und die aus ihr hergeleiteten alltagsphysikalischen Einlassungen ZP, ZD, Masseneffekt, LK sind von A.E. und seinen Anhängern in die Alltagswelt der Menschen eingeführt worden, ohne dass hierzu Anlass bestand und ohne dass deren Richtigkeit auch nur im Mindesten belegt werden konnte. Hätte man die Formeln in der Laborwelt belassen und dort mit ihnen nach dem Prinzip, dass es Erfahrungswerte seien, die man nicht weiter begründen könne, gerechnet, dann hätten wir das Dilemma mit der RT absolut nicht.


Genau, und unabhängig davon, dass kein Anlass zu der Einführung der ZD und LK in der Physik besteht, findet in der Argumentation der Relativisten ständig eine Verwechselung bzw. eine unzulässige Vermischung zwischen drei gegenseitigen Auffassungen und Berechnungsmethoden statt: Klassische Geschwindigkeitsaddition, relativistische Geschwindigkeitsaddition und Lorentztransformation:

1) Die klassische Geschwindigkeitsaddition schreibt eine unbegrenzte und ganz normale Addition der Geschwindigkeiten von zwei zueinander bewegten Objekten in direkter Verbindungslinie und in Bezug auf ein gemeinsames Bezugssystem vor. Dies wird auch tagtäglich experimentell durch präzise und richtige Vorhersagen bestätigt (Ballistik).

2) Ganz anders als die klassische Geschwindigkeitsaddition duldet das relativistische Additionstheorem keinen anderen Wert für Relativgeschwindigkeiten zwischen relativ zueinander bewegten Objekten als exakt c: weder größer noch kleiner als c ist erlaubt, es darf von c weder addiert noch subtrahiert werden sonst ist das 2. Postulat gleich hinfällig. Dies wird durch die experimentelle Bestätigungen und richtige Vorhersagen der klassischen Geschwindigkeitsaddition eindeutig widerlegt.

3) Die Lorentztransformation dagegen, wiederum ganz anders als die klassische und die relativistische Geschwindigkeitsaddition, berechnet für Relativgeschwindigkeiten zwischen Objekten Werte, die sich c annähren aber nicht überschreiten können. Dies wurde nie experimentell nachgewiesen und das ist meiner Meinung nach auch nicht nachweisbar: Dadurch, dass der Maßstab sich gleichermaßen wie das Objekt materiell verkürzt, bleibt eine Verkürzung meßtechnisch prinzipiell nicht feststellbar.

Man soll also nicht das relativistische Additionstheorem und die Lorentztransformation in einen Topf werfen, das sind zwei grundverschiedenen Annahmen, die auch beide keine experimentelle Basis haben - im Gegensatz zu der klassischen Geschwindigkeitsaddition. Dass in der SRT das Additionstheorem und die Lorentztransformation zusammen vorkommen, jedoch sich gegenseitig ausschließen, ist nun mal „normal:? : Nichts passt in der SRT zusammen und die Theorie widerlegt sich immer selbst.

Einzig die klassische Geschwindigkeitsaddition ist konsistent und experimentell brillant in der Empirie nachgewiesen (alleine durch die Vorhersagen der Ballistik und der klassischen Mechanik, die sogar für die Raumfahrt und die Astronomie sich bewähren).

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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