Sebastian Hauk hat geschrieben:
wie würde eigentlich Lorentz das Gartenzaunparadoxon lösen? Bei Lorentz wäre es so, dass sich der Raum zwischen den Latten nicht verkürzt. Die Latten des Zauns ziehen sich bei Lorentz zusammen und natürlich auch die Holzphähle oben und unten. Da sich aber die Latten verkürzen, passt bei Lorentz die Kugel durch.
Auf jeden Fall ist das Gartenzaunparadoxon von Peter Ripota mit der SRT nicht lösbar bzw. so ein Paradoxon kann in der Realität gemäß SRT nicht existieren, da weder Zug noch Gartenzaun ihre materielle Längen verändern: Die Prozesse verlaufen bei Geschwindigkeit nahe c ganz genauso wie sie bei niedriger Geschwindigkeit oder beim Ruhezustand verlaufen: Die Objekte behalten bei Geschwindigkeit nahe c ganz genau die gleichen materiellen Abmessungen wie beim Ruhezustand bei, nichts ändert sich.
Also passt die Kugel bei Geschwindigkeit des Zuges nahe c zwischen den Latten, wenn sie beim Ruhezustand dazwischen gepasst hat, und sie passt bei Geschwindigkeit nahe c nicht zwischen den Latten, wenn sie bei Ruhezustand nicht dazwischen gepasst hat. So einfach ist das. Und kein Beobachter der Welt weder im Zug noch hinter dem Zaun könnte diesen Verlauf anders verlaufen lassen. So einfach ist das.
Der Vergleich zwischen der Länge eines Objektes im Ruhezustand und der Länge des selben Objektes in bewegtem Zustand hat Einstein in seiner SRT Seiten 895-896 angestellt, siehe:
http://www.jocelyne-lopez.de/blog/2009/ ... -ein-joke/Zitat Albert Einstein:
Es sei ein ruhender starrer Stab gegeben; derselbe besitze, mit einem ebenfalls ruhenden Maßstabe gemessen, die Länge l.
Das ist die Ruhelänge des Stabes. Kein Problem, alles klar.
Zitat Albert Einstein:
Wir fragen nun nach der Länge des bewegten Stabes, welche wir uns durch folgende zwei Operationen ermittelt denken:
[...]
Die bei der Operation b) zu findende Länge, welche wir „die Länge des (bewegten) Stabes im ruhenden System” nennen wollen, werden wir unter Zugrundelegung unserer beiden Prinzipien bestimmen und finden, dass sie von l verschieden ist.
Einstein pflegt hier eine verklausulierte bzw. eine schluderige Sprache und sagt nicht, dass die beiden Längen (Ruhelänge und Länge des bewegten Stabes) verschieden sind, sondern dass er „
findet“, dass sie verschieden sind... Schon im Originaltext soll offensichtlich sprachlich nicht eindeutig geklärt werden, ob die Länge des bewegten Stabes sich materiell ändert oder nicht, ob Anschein oder Realität: Einstein „
findet“ nur, dass sie sich verändert hat. Was soll aber der hier seltsame Verb „
finden“ bedeuten?
Diese sprachliche Unschärfe, die bis ins moderne Bildungssystem konsequent gepflegt wird, hat zum Beispiel Dr. Wolfgang Herrig zu Recht kritisiert:
http://www.jocelyne-lopez.de/blog/2010/ ... wunschten/Zitat Dr. Wolfgang Herrig:
Nehmen wir dazu ein Beispiel und schlagen ein weitverbreitetes Lehrbuch der Physik auf, den „Gerthsen Physik“. Ich habe noch die 22. Auflage von 2004. Im Kapitel „Relativitätstheorie“ findet sich folgende blau unterlegte Aussage:
„Jeder der Beobachter muss den Stab des anderen um genau den gleichen Faktor f gegen seinen eigenen verkürzt finden.“
Unabhängig vom Wahrheitsgehalt: wie finden Sie den Satz? Finden Sie, dass er klar und deutlich formuliert ist? Wie finden sie das Wort „finden“ an dieser Stelle? Ist „finden“ physikalisch definiert? Wie unterscheidet sich dieses „finden“ von dem anderen „finden“ in diesen Fragen? Gibt es eine Anleitung zum Bau eines „Findometers“? Ist es vielleicht ein optisches Instrument? Sollte wohl so sein. Was müsste man beim Bau eines solchen Geräts berücksichtigen? Können Sie sich vorstellen, dass ein Physikprofessor den Studenten in einer Prüfung Fragen dieser Art stellt?
In den älteren Auflagen des gleichen Lehrbuchs war die Wortwahl noch eine andere. In der achten Auflage von 1964 hieß es:
„Dem bewegten Beobachter erscheint also eine parallel zur Bewegungsrichtung liegende Strecke verkürzt.“
mit der Randbedingung:
„Selbstverständlich muß der Beobachter die gleichen Streckenendpunkte gleichzeitig mit seinen Koordinatenachsen vergleichen.“
Was ist mit „erscheint“ gemeint? Das Wort Erscheinung weckt Assoziationen an Übernatürliches oder Religiöses. Engel erscheinen, oder Geister. Wenn eine Streckenverkürzung „erscheint“, so hat das den Klang des Metaphysischen. Deshalb hat man wahrscheinlich nach einem besseren Wort gesucht. Wie wäre es mit „sehen“? Kurz gesagt: problematisch. Es gibt schließlich Abhandlungen, die belegen sollen, dass man die Verkürzung nicht sehen kann. Andere behaupten, es sei gar keine Verkürzung zu „sehen", sondern nur eine Rotation. Andere wiederum beschreiben spezielle Kameras mit oder ohne Blitzlicht, die man einsetzen müsse. Mit der Festlegung, was man denn nun sehen kann, betritt man ein seit langem vermintes Gelände. Es führt aber kein Weg daran vorbei, dass die Detektionsmethode optisch sein muss, denn „Licht“ ist die einzige Sonde, welche laut SRT erlaubt ist. Man sollte das „sehen“ aber besser nicht erwähnen. Was bleibt? Finden. Das ist es. Finden ist sehr gut. Voilà. Man muss nur das passende Wort finden, schon ist das Problem weg.
Es ist also unbedingt erforderlich, dass man zumindest für das öffentliche Bildungs- und Forschungssystem eine eindeutige Interpretation der Natur der Längenkontraktion festlegt und mitteilt, vorher sind alle Diskussionen sinnlos. Die offizielle Auslegung vom Albert Einstein Institut liegt nun mal mit der eindeutigen Aussage von Dr. Markus Pössel vor: "„
Die Laengenkontraktion geht nicht mit materiellen Veraenderungen des Koerpers einher;"Viele Grüße
Jocelyne Lopez