Wichtig! Ganz genau lesen! Teil I
Zitat:
Professor Dr. 0. KRAUS /PRAG
ZUR RELATIVITÄTSTHEORIE
Der von Michelson angestellte optische Versuch schien zu zeigen, daß
das von einer irdischen Lichtquelle ausgesandte Licht sich genau so verhalte,
als ob die Erde ruhte, und als ob die Lichtquelle das Licht ausschleudere
wie ein Wurfgeschoß, als ob somit eine Projektiltheorie wie
die Newtons und Poissons gälte; oder wenn man eine Wellentheorie
zugründe legt: als ob der Lichtäther von der Erde mitgenommen würde wie
etwa die Luft in einer Schiffskajüte. Beide Annahmen aber widersprachen
der herrschenden elektrodynamischen Theorie des ruhenden Äthers von
H. A. Lorentz. Dieser Theorie zufolge läßt unsere Erde bei ihrer Reise
durch den widerstandslosen Weltäther diesen völlig in Ruhe; sandte daher
Michelson in seinem berühmten Experimente Lichtwellen in der Fahrtrichtung
des Planeten und in abweichender Direktion hin und her, so
mußte man entsprechend der Theorie des ruhenden Äthers von Lorentz
erwarten, daß die Lichtwellen je nachdem einen längeren oder kürzeren
Weg zurückzulegen haben und später oder früher ankommen, als sie
eintreffen würden, wenn der Äther mitgerissen würde.
Wie also sollte man sich erklären, daß der Michelson-Versuch so ausfiel,
als ob die Lorentzsehe Theorie unrichtig wäre? Es war eine sehr
gewagte Hypothese, als Lorentz, statt seine Theorie zu ändern, annahm,
daß sich der Michelsonsche Apparat und überhaupt jeder Körper quantitativ
ändere, wenn er sich bewegt, und zwar in der Weise, daß der
Michelsonsche Apparat und überhaupt jeder Körper sich in der Richtung
seiner Bewegung zusammenziehe! Durch diese "Kontraktionshypothese"
gelang es Lorentz, seine Theorie mit den ihr widersprechenden Ergebnissen
des Michelson-Experimentes in Einklang zu bringen. Diese Hypothese
von Lorentz mag befremden, sie ist aber jedenfalls ein Versuch, das sog.
„negative Ergebnis“ des Michelson-Versuches unter Aufrechterhaltung
der Hypothese des ruhenden Äthers ursächlich zu erklären.
Nach Einstein aber ist „die Kontraktion nur eine Folge der Betrachtungsweise,
keine Veränderung einer physikalischen Realität“ (Born),
was mit aller Evidenz aus dem Umstande hervorgeht, daß die Einstein-
Kontraktion lediglich „für den nicht mitbewegten Beobachter“ statthat,
sonach von dem Vorhandensein und dem willkürlich gewählten Standpunkte
eines Beobachters abhängt, während die Lorentz-Kontraktion
als ein von jeder Beobachtung unabhängiger physischer Vorgang gedacht
ist.