Lorentz an Einstein (1915) hat geschrieben:
Ich möchte hier noch eine Bemerkung mehr didaktischer Natur anknüpfen.
Wenn man die „Verkürzung” aus den Gleichungen der Relativitätstheorie ableitet
(was natürlich an und für sich ganz gerechtfertigt ist) und nichts weiter zur Erläu-
terung hinzufügt, so läuft man Gefahr, den Eindruck zu erwecken, dass es sich hier
um „scheinbare” Dinge, und nicht um eine wirkliche physikalische Erscheinung
handle; wenigstens habe ich hin und wieder bei Vertretern der Relativitätstheorie
Äusserungen gefunden, die von einer derartigen Auffassung zu zeugen scheinen.
Dem gegenüber kann man bemerken, dass wenn wir eine „Änderung” beobachten,
indem wir das betrachtete System fortwährend auf ein und dasselbe Koordinaten-
system K beziehen, diese „Änderung” nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch
(und warum sollten wir uns daran nicht halten?) eine physikalische Erscheinung
darstellt. Die Verkürzung eines in Bezug auf K in Bewegung gesetzten Stabes, ist
genau so reëll wie die Ausdehnung bei Temperaturerhöhung, und in einer Mole-
kulartheorie ist die eine Erscheinung ganz ähnlich wie die andere aus der Betrach-
tung der Molekularkräfte zu erklären. Man darf sagen, dass diese Kräfte und ihre
Wirkungsweise durch die Translation geändert werden, eine Auffassung, der man
einen etwas lebhafteren Anstrich dadurch erteilen kann, dass man an eine Vermitt-
lung der Wirkungen durch einen Äther denkt.
Lorentz wagte es nicht, klar zu sagen, dass eine tatsächliche Längenänderung nicht möglich ist, wenn die Bewegung im leeren Raum stattfindet. Damit hat er sich schuldig gemacht.