Harald Maurer hat geschrieben:Es ist trivial, dass eine auf Anziehungskraft basierende Gravitation mit endlicher Ausbreitungsgeschwindigkeit überhaupt nicht funktionieren kann (weil Aberration).
So ist es.
Harald Maurer hat geschrieben:Deshalb gibt es diese Kraft in der ART auch nicht mehr. Schon aufgrund völlig unterschiedlicher Grundannahmen kann die Newtonsche Gravitation nicht aus der ART hergeleitet werden, sondern nur die Wirkungen werden bei schwachen Feldern einander ähnlich - und nur insofern kann man die Newtonsche Auffassung als "Grenzfall" der ART bezeichnen - denn sie ist es nicht wirklich. Die ART ist eine völlig andere Theorie.
Die laufende Debatte verfehlt deshalb etwas ihr Ziel. Man kann nicht behaupten, die ART würde instantane Wirkungen voraussetzen, weil sie im "Grenzfall Newton" dieselben Ergebnisse bringt.
Insofern die Gravitation im Rahmen der ART eine klassische Feldtheorie ist, reicht es völlig aus, dass die Wirkungen im Grenzfall mathematisch exakt übereinstimmen. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist ein (wesentlicher) Aspekt der Wirkungen, der in der entsprechenden Mathematik implizit enthalten ist. Mehr dazu unten.
Harald Maurer hat geschrieben:Denn auch im Grenzfall geht die ART nicht von Massenanziehung aus!
Das spielt keine Rolle. Zunächst einmal ergibt sich grundsätzlich die gleiche Situation auch bei Le-Sage-Gravitation. Eine endliche Teilchengeschwindigkeit sorgt dafür, dass die Druckwirkung auf einen Körper nicht dem Schatten zum Zeitpunkt des Eintreffens der Wirkung entspricht, sondern dem Schatten, den der schattenwerfende Körper eine Weile früher warf. Es mögen Modelle denkbar sein, in denen es weitere Effekte gibt, die der Aberration entgegenwirken. Grundsätzlich ist aber von Aberration auszugehen. Bei hohen Teilchengeschwindigkeiten mag sie allerdings sowieso extrem gering sein.
Bei der Gravitation gemäß ART haben wir den Sachverhalt, dass es eine geometrische Interpretation gibt und eine Feld-Interpretation.
Die geometrische Interpretation hat aber keine physikalische Bedeutung, weil sie das Kausalitätsprinzip verletzt. Es gibt keine Gravitationskraft, die Impuls überträgt. Ein Satellit wird nicht irgendwie abgelenkt, erleidet keinen externen Einfluss, er folgt einfach einer Geodäte der gekrümmten Raumzeit. Daher gibt es auch keine Aberration. Wo aber kein Impuls übertragen wird, gibt es auch keine Laufzeit der Impulsübertragung und entsprechend auch keine Ausbreitungsgeschwindigkeit (auch nicht c). Es breitet sich schlicht nichts aus.
Aus diesen Gründen ziehen Physiker von Feynman bis Carlip die Interpretation der Gravitation der ART als klassische Feldtheorie vor. Dementsprechend bemühen sie sich zu zeigen, dass die Aberration bei Ausbreitungsgeschwindigkeit c trotz allem irgendwie verschwindet oder weitgehend kompensiert wird. Bewegt sich nun eine Gravitationsquelle, so läuft das Potenzial bei endlicher Ausbreitungsgeschwindigkeit verzögert hinterher. Auf einen entfernten Probekörper wirkt der Gradient, der von der Quelle zu einem früheren Zeitpunkt verursacht wurde.
Um nun zu zeigen, dass doch irgendwie eine Ausbreitungsgeschwindigkeit c ohne Aberration möglich sei, haben ART-Proponenten zunächst die Quadratur des Kreises mittels retardierter Potenziale versucht. Dabei wird aber nur über das Problem hinweggetäuscht. Man berücksichtigt zwar eine Zeitverzögerung, nicht aber die abweichende Richtung. In Reaktion auf Van Flandern, der das Dilemma aufzeigt, liefert Carlip einen neuen Ansatz, ebenfalls feldtheoretisch, laut dem die Aberration durch andere bewegungsabängige Terme ungefähr kompensiert würde. Van Flandern weist aber auch ihm nach, dass er bereits im Ansatz in ähnlicher Weise trickst.
Fazit:
1.) Gemäß der geometrischen Interpretation der ART ist die Gravitation akausal. Eine Ausbreitungsgeschwindigkeit kommt gar nicht vor, weil sich nichts ausbreitet.
2.) Die ART-Proponenten ziehen sich nicht auf die unrealistische geometrische Interpretation zurück. Sie betrachten die Sache realistischerweise feldtheoretisch und berücksichtigen Verzögerungseffekte. Die Ansätze, mit denen sie c durchpauken wollen, unterschlagen allerdings die wesentliche Ursache der Aberration und können nur so den entsprechenden falschen Eindruck erwecken.
3.) Die Behauptung, die ART setze implizit instantane Wirkungen voraus, weil sie im "Grenzfall Newton" dieselben Wirkungen bringt, ist durchaus richtig. Im Grenzfall geht das einsteinsche in das newtonsche Potenzial über und zwingt damit zu denselben Schlußfolgerungen.
Gruß
Faber
P.S.: Warum weiterhin die ART auch im nicht-newtonschen Fall keine Wirkgeschwindigkeit c zulässt, diskutiert Van Flandern
hier in Abschnitt 5 anhand von Bewegungsgleichungen.
P.P.S.: Eine Newton-Gleichung mit Ausbreitungsgeschwindigkeit findet sich dort auch:

(V: Ausbreitungsgeschw.;
v: Geschw. des Satelliten. Der zweite Term ist nur der für die Aberration wichtigste Effekt. Es gibt weitere, siehe Text dort)