Uli hat geschrieben:
Harald, wir wollen nicht um "des Kaisers Bart" streiten: die SRT und die Lorentzsche Äthertheorie sind physikalisch äquivalent - will sagen: sie unterscheiden sich nicht in ihren Vorhersagen für Beobachtungen. Jede Bestätigung der SRT kann man somit als Bestätigung des Lorentzschen Modells ansehen (wenn man denn unbedingt will (s.u.)).
Ja, aber Du machst es Dir etwas zu einfach. Die beiden Theorien sind nicht physikalisch äquivalent, sondern sind es "nur"
mathematisch. Wobei die SRT praktisch eine Vereinfachung der LET darstellt, weil man den Äther nicht mehr "benötigt" (abgeschafft hat Einstein den Äther dadurch ja nicht!). Klar muss auch sein, dass in der Lorentzschen Variante der Bezug zum Äther (zum absoluten Bezugssystem) stets zu beachten wäre - keine leichte Übung angesichts der Nachweisprobleme. Die SRT als vereinfachende Messvorschrift ist daher sicher nicht unpraktikabel, vorausgesetzt, die Effekte treten in der Natur (ob relativ oder absolut) überhaupt auf.
Der Unterschied zwischen den beiden Theorien ist elementar. In der SRT gilt das Relativitätsprinzip, in der LET gilt es nicht. In der SRT geht es um Wahrnehmungen, die durch recht mystische Eigenschaften der Raumzeit bedingt bzw. verzerrt werden, in der LET geht es um kausale, wenngleich schwer nachweisbare Wechselwirkungen mit einem Medium - immerhin eine wesentlich physikalischere Erklärungsweise für Phänomene, die ebenfalls schwer nachzuweisen sind. Jedenfalls gibt es da keine Äquivalenz von SRT und LET. Dem Physiker kann es egal sein, aber philosophisch wäre es schon wertvoll zu erfahren, welche der beiden Theorien zutrifft - auch wenn sich an der Anwendung der SRT wegen der mathematischen Übereinstimmung gar nichts ändern würde.
Uli hat geschrieben:
In der SRT wurde einzig die Ätherhypothese fallen gelassen, da festgestellt wurde, dass sie keinen Einfluss auf Beobachtungen hat und somit dem Anspruch der Falsifizierbarkeit nicht genügt. Selbst Lorentz war nicht der Ansicht, dass ein Experiment denkbar wäre, um seine Relativgeschwindigkeit zum Äther zu bestimmen - dem System, in dem die Zeit die "wahre Zeit" ist und Objekte ihre "wahre Länge" haben.
Wieder etwas zu einfach. Die Ätherhypothese wurde ja nicht fallen gelassen, sondern sie musste nicht mehr berücksichtigt werden. Einstein selbst wusste, dass die Erklärung der Phänomene ohne Äther nicht möglich wäre - auch wenn es sich nicht um den Äther von Lorentz handelte (
http://www.mahag.com/fremd/rede.htm ). Hypothesen haben prinzipiell keinen Einfluss auf Beobachtungen - es ist wohl eher umgekehrt
Uli hat geschrieben:
Ganz offensichtlich hat die Ätherhypothese - zumindest so wie sie in das Lorentzsche Modell integriert ist - nichts mehr mit Physik zu tun.
Ja, da sage ich nichts dagegen, denn Einstein selbst hat den Lorentzäther abgelehnt, aber eine eigene Definition vorgelegt, die über den Ätherbegriff von Lorentz hinausgeht. Hier liegt der Beginn eines Weges, der die Physik weiterführt.
Uli hat geschrieben:
Was die Struktur schwerer Ionen betrifft, so ist klar, dass sie in ihrem Ruhesystem nicht "pfannkuchenartig" sind. Die zugrunde liegende Physik (Coulomb-Potential mit n Elektronen) weist im Ruhesystem Kugelsymmetrie auf. Es kann keine Lösungen für Orbitale geben, die eine Richtung auszeichnet und die Rotationssysmmetrie bricht.
Es gibt längst keine Orbitale mehr im Atommodell. Es hat daher keinen Sinn, mit überholten Theorien zu argumentieren. Auch die Kugelsymmetrie ist damit längst nicht nur theoretisch sondern auch experimentell nachweislich obsolet. Der Herr schenke den Ideen von Thompson, Rutherford und Bohr die ewige Ruhe
Grüße
Harald Maurer