Ralf Maeder hat geschrieben:
Da kommt mir auch eine Frage in den Sinn, wie viel Masse sollte ein Objekt haben, damit es experiemtell nachweislich Gravitation erzeugen koennte?
Ich denke, dass der Ausdruck "erzeugen" hier nicht zutrifft. Man sollte besser sagen "verursachen". Schon Newton konnte sich mit dem Gedanken nicht anfreunden, dass es eine intrinsische Eigenschaft von Masse sein sollte, andere Massen anzuziehen. Er schrieb:
"Dass der Materie Schwere endogen, inhärent & essentiell eigen sein soll, so dass ein Körper über eine Distanz durch ein Vakuum hindurch auf einen anderen Körper ohne Vermittlung durch etwas Anderes einwirken kann, das ihre Wirkung & Kraft unmittelbar vom einen zum anderen übertragen würde, ist für mich eine derart große Absurdität, dass meines Erachtens kein Mensch, der philosophische Dinge kompetent bedenken kann, je auf so etwas hereinfallen könnte. Gravitation muss durch einen Überträger verursacht werden, aber ob dieser Überträger materiell oder immateriell ist, das ist eine Frage, welche ich der Überlegung meiner Leser überlassen habe."Und Newton dachte auch über einen derartigen "Überträger" der Gravitationskraft nach. In einem Brief an die Royal Society in London schrieb er im Jahre 1675:
"... Ebenso wie hier die elektrische Anziehung wird auch die Anziehungskraft der Erde, welche wir Schwere nennen, durch die immerwährende Condensation einer ähnlichen ätherischen Flüssigkeit verursacht sein. Denn wenn gährungsfähige oder brennbare Körper eine große Menge ätherischer Flüssigkeit in sich zu halten vermögen, so darf man auch von dem grossen Körper der Erde annehmen, dass er immerwährend grosse Mengen ätherischer Flüssigkeit in sich zu condensieren vermag. Dann aber muss auch immerwährend von allen Seiten die ätherische Flüssigkeit mit grosser Schnelligkeit zum Ersatz nach der Erde hinströmen und diese Ätherströme werden die Körper über der Erde mit sich nach der Erde zu 2 führen und zwar mit einer Kraft, welche den Oberflächen aller der Theile, auf welche die Ströme wirken, proportional ist. Und wie die Erde, so mag auch die Sonne diese Substanz einsaugen und dadurch sich nicht blos ihre Leuchtkraft bewahren, sondern die Planeten verhindern, sich weiter von ihr zu entfernen. Der Äther durchdringt alle Körper, aber er geht doch nicht ohne Hinderniss durch sie hindurch, und darum ist er in den Körpern weniger dicht als in dem Raume ausserhalb derselben und ist auch in einigen Körpern weniger dicht als in den anderen. Dies mag die Ursache der Cohäsion fester und flüssiger Körper, der Elasticität des Glases und anderer Substanzen, sowie der Grund dafür sein, dass das Quecksilber bei dem Toricelli'schen Experimente oft an der Spitze der Röhre hängen bleibt, wenn auch die Höhe desselben weit über 29 Zoll beträgt. ..."Nicolas Fatio de Duillier (1690) und Georges-Louis Le Sage (1748) entwarfen mechanische Gravitationsmodelle, die nicht von einer Anziehungskraft ausgingen, sondern von einem Druck des Äthers oder der umliegenden Massen (auch Newton selbst versuchte eine derartige Theorie aufzustellen). In der Folge kam es zu vielen derartigen Modellen. Darüber kann man sich hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Le-Sage-Gravitation informieren. Diese Überlegungen finden sich auch in den Arbeiten von Ernst Mach (
http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Mach ... n_Mechanik ), die in gewisser Weise auch in der ART aufzufinden sind. Ich selbst vertrete ebenfalls eine auf den "Umgebungsdruck" zurück geführte Gravitationsthese (
http://www.mahag.com/grav/abst.php ), die kurz gesagt die Massenanziehung einfach umkehrt und eine Massenabstoßung annimmt, die logisch plausibler erscheint, weil dazu die Annahme genügt, dass sich Materie aufgrund bloßer Existenz gegenseitig verdrängt, verbunden mit der Annahme, dass Materie nicht dort Grenzen hat, wo wir sie wahrnehmen, sondern über Impulsfelder sich gegenseitig berührt. Dazu gibt es auf meiner Homepage eine Menge diesbezüglicher Überlegungen, wie das funktionieren könnte. Interessant ist dabei, dass die Mathematik der ART genau eine derartige Vorstellung abstrakt beschreibt, etwa in der Weise, als würde man die Bewegungen des Fußballs in einem Fußballspiel mathematisch beschreiben, ohne die Spieler zu erwähnen.
Um auf Deine eigentliche Frage zurück zu kommen. Bei sehr kleinen Massen überwiegen die elektromagnetischen Kräfte die Gravitation bei weitem. Es dürfte auch bei Staubkörnern schwierig sein, Gravitationswirkung zu unterscheiden von elektrostatischen Effekten. Einen Hinweis auf die Masse, die zum Nachweis bzw. zur Messung der Gravitation notwendig ist, geben uns die diversen Experimente zur Überprüfung des Gravitationsgesetzes oder zur Feststellung der Gravitationskonstante (die wahrscheinlich keine Konstante ist). Da gibt es einige moderne Experimente, wie zum Beispiel dieses hier:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/quant ... s-1.834820 . Zwei Scheiben aus Molybdän, etwas kleiner als eine CD, sind die mir bisher kleinsten bekannten Massen, mit welchen man das Gravitationsgesetz Newtons überprüfen konnte. Abgesehen von den Fallversuchen in evakuierten Falltürmen, in welchen die Probekörper zumindest jene Ausmaße haben sollten, dass man sie gut mit freiem Auge wahrnehmen kann.
Grüße
Harald Maurer