Joachim Stiller hat geschrieben:
Wenn Du sagst, die Symmetrie der Zeitdilatation gäbe es nur mathematisch, nicht aber semantisch, dann ist das ein offensichtlicher Widerspruch... ...
Nein, das ist nur dann ein Widerspruch, wenn man unterstellt, dass mathematische Beschreibungen eine eindeutige Deutungsbeziehung zur Realität besitzen.
Und das tun sie definitiv nicht!
Die Deutung von Formeln ist in Wahrheit vollkommen frei bzw. als Konvention beliebig wählbar. Da gibt es praktische und und unpraktische Konventionen, aber keinesfalls eine einzige und obendrein zwingend bindende. Der zentrale Irrtum der theoretischen Physik ist genau dieser Deutungsdogmatismus!
Es gibt soviele Deutungen der Realität, wie freie Geister auf dieser Welt leben. Das Wunder besteht darin, dass wir Menschen uns trotz der Deutungsvielfalt mit Worten (halbwegs) verständigen können. Dieses Wunder oder genauer diese Verständigungsfähigkeit ist nicht formalisierbar und auch nicht erzwingbar. Es kann nur gelingen, wenn beide Seiten auf diese Fähigkeit vertrauen.
Bezogen auf die Physik heißt das: eine Theorie erzwingen zu wollen zeugt von tiefer Unkenntnis oder Feindschaft der Wissenschaft gegenüber. Deutungen sind immer nur Einladungen, das gilt für die Physik exakt so wie für jede andere Wissenschaft auch.
Formale Zwänge kann man dagegen durchaus KONSTRUIEREN, solange sie sich auf das reine Denken beziehen. Außerhalb des Denkens muss man solche Zwänge allerdings DURCHSETZEN, wenn man nicht umdenken will.
Freue mich über Deutungen oder Zwang-Konstruktions-Versuche jeglicher Art!
Grüße
rp