Lieber Daniel,
es gibt nicht nur eine Bank. Allerdings haben nur die Zentralbanken das Recht Geld zu schöpfen (produzieren). Das hast du aber mittlerweile richtig erkannt.
Auch Privatbanken verleihen Geld, refinanzieren sich aber auch auf dem Kapitalmarkt indem sie „Sparbücher“ herausgeben, dessen Inhalt sie dann weiter verleihen. Haben die privaten Banken weiteren Geldbedarf, der über „Sparbuchsammelaktionen“ nicht gedeckt ist, dann refinanzieren sie sich über Gelder der Notenbanken (z.B. EZB), bei denen sie aber entsprechende Sicherheiten hinterlegen müssen.
Das Bankgeschäft ist ein reines Dienstleistungsgeschäft. Die Dienstleistung hat die Grundlage des Geldhandels. Zinsen sind ein legitimes Mittel für die Bank, neben ein paar Gebühren, um diese Dienstleistung zu bezahlen. In diesen Zinsen stecken nicht nur die Kosten der Bank, sondern auch Risikorücklagen die gebildet werden müssen, um Ausfallrisiken abzudecken. Letztlich sind in den Zinsen auch Gewinne enthalten.
Die Zinsen selbst bezahlt der Kreditnehmer über seine Leistung, die er erbringt. Jetzt weiß du auch, wo die Zinsen herkommen und warum nur jemand kreditwürdig ist, der entweder Arbeit hat oder über eine entsprechende Bonität verfügt, die über andere Werte (z.B. Immobilien) abgedeckt sind. Einfach gesagt bedeutet das, wer keine Leistung erbringen kann, in welcher Form auch immer, der bekommt keine Kohle. Die Inflation, die du meinst, existiert in dem Sinne nicht als ungedeckte Geldvermehrung. Hinter den Zinsen steckt eine Leistung, die erbracht wurde.
Da sind wir schon bei dem Thema Inflation. Inflation bedeutet ja erst mal nur übermäßige Ausweitung.
Angewendet auf die Preissteigerungen bedeutet das, dass die Werte für die Produkte sich erhöhen und das Produkt damit erst mal mehr Wert ist. Es ist nicht teurer geworden, sondern es hat einen Mehrwert.
Erhöhen sich die PREISE für erzeugte Güter, dann bekommt auch im Gegenzug die Dienstleistung einen höheren Wert und die erforderliche Arbeitsleistung für die Erstellung dieser Güter sollte angepasst werden. Dies geschieht in der Regel nicht immer und wird über gesetzlich ermöglichte Regelungen (z.B. Zeitarbeit) umgangen. Das heißt, die gerechte Entlohnung fehlt, und das Leistungsentgelt wird im Verhältnis zur Produktion weniger Wert.
Fakt ist aber auch, dass produzierte Güter sich verbrauchen und der Wert letztlich gegen Null tendiert. Dies geht in der Regel schnell bei Nahrung, die nach dem Verzehr nur noch einen Verdauungswert hat, den manchen Fällen sogar noch in Form von Dünger in einen anderen Leistungswert und damit geldlichen Wert umgewandelt werden kann.
Bei Immobilien ist der Werteverfall mit einer Zeitverzögerung zu sehen. Allerdings verfallen die Immobilienpreise nicht vollständig, da in der Regel nur der Gebäudewert verfällt und nicht der Grundstückswert.
Alles in allem werden Preise immer über Angebot und Nachfrage geregelt. Ist keine Nachfrage vorhanden, tendieren die Preise für die angebotenen Güter gegen Null. Z.B. bei Schreibmaschinen, die heute nur noch jemand in Ausnahmefällen kauft und maximal des Weiteren einen Sammlerwert haben können. Als wirtschaftliche Größe kann dieses Produkt aber nicht mehr betrachten.
Geld benötigt grundsätzlich Leistung und muss immer wieder neu erwirtschaftet werden.
Inflation im Sinne des monetären Systems ist eine Vermehrung Geldes ohne einen leistungsbehafteten Gegenwert. Das Geld verliert damit den intrinsischen Wert. Im extremen Fall wird Geld wertlos (Hyperinflation) und es kommt zu einer Währungsreform.
Der Umkehrschluss daraus ist, dass man in diesem Fall nicht mehr die Preise steigen, sondern man immer weniger Ware bekommt. Die Preise werden nicht mehr über Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern über die ungedeckte Menge des Geldes. Der Wert des Geldes wird verfälscht. Die Menge des Geldes übersteigt das Warenangebot. Genau diese Geldentwertung ist eine monetäre Inflation. Der Verbrauer fühlt das als Preiserhöhung. Um Gehühle geht es hier aber nicht.
Das einzige Mittel um Inflation in dem Sinne zu bekämpfen ist die Deflation, die nichts anderes mit sich bringt als uneinbringliche Forderungen zu vernichten. Das geht teilweise so weit, dass man sogar unrentable Produktionsstätten und Arbeitsplätze vernichten muss, die nur noch Kosten verursachen und nicht mehr rentabel sind. Die DDR lässt grüßen.
Deine Kritik sollte nicht dem monetären, also dem rein geldlichen System gelten, sondern den Umgang damit.
Es kommt immer darauf an, wie man mit diesem System umgeht und da sprechen wir dann über die soziale Komponente. Soziale Ungerechtigkeiten haben immer einen Faktor und das ist Missbrauch. Du darfst also nicht das System „Geld“ kritisieren, sondern den Umgang damit.
Gruß
All